wissen.de
Total votes: 208
wissen.de Artikel

Die Schweiz und Hesse: eine wechselseitige Liebe

Das Tessin - Hesses Wahlheimat

...

Der Schweiz bleibt Hesse bis in den Tod treu

Im Jahr 1924 wurde Hesse zum zweiten Mal - und diesmal definitiv - zum Eidgenossen. Der Schweiz ist Hesse bis zu seinem Tod treu bleiben, denn immerhin habe ihn die Tessiner Landschaft „wie eine vorbestimmte Heimat angezogen und empfangen“. Als Schweizer schrieb er „Narziss und Goldmund“, den „Steppenwolf“ und das „Glasperlenspiel“, das ihm 1946 den Nobelpreis und seinem Briefträger einen Haufen Arbeit einbrachte. Denn während der gefeierte Autor das Schild „Bitte keine Besuche“ an sein neues Haus, die Casa Rossa, montierte, musste das Postamt in Montagnola eigens einen Schubkarren anschaffen, um die Leserbriefe zu befördern, die aus aller Welt an das Tessiner Versteck des Dichters adressiert wurden. Und Hesse, der selbst die Verleihung des Nobelpreises scheute, beantwortete – sehr zum Verdruss seines Postboten - alle Schreiben selbst: Über 35.000 Briefe sollen von ihm erhalten sein.

Dass der Schriftsteller im Alter noch Zeit für ein anderes wichtiges Hobby fand, ist angesichts einer solch überbordenden Korrespondenz erstaunlich. Doch während sich Hesse in der Schweiz  als Dichter und Maler lange nur indirekt mit der geliebten Landschaft des Tessins auseinandergesetzt hatte, legte er später im Garten der Casa Rossa selbst Hand an sie an. Der Feingeist baute Wein, Gemüse und Blumen an und genoss den engen Kontakt zur Natur, die meditative Kraft der Gartenarbeit, die ihn auch für seine schriftstellerische Arbeit beflügelte. Besonders den Bäumen hatte sich Hesse Zeit seines Lebens verbunden gefühlt. Schon 1927 schrieb er in „Klage um einen alten Baum“:

„Das Laub jedes Baumes sowie seine Blüte und Frucht ist mir in jedem Zustande des Werdens und Hinsterbens wohlbekannt, jeder ist mein Freund, von jedem weiß ich Geheimnisse, die nur ich und sonst niemand weiß. Einen dieser Bäume zu verlieren, heißt für mich, einen Freund zu verlieren.“

Doch dass sich Hermann Hesses Liebe zum Tessin nicht nur aus der Schönheit der Landschaft speiste, sondern auch den Landsleuten verdankte, zeigt folgendes Zitat:

„Ich liebe nicht nur die Landschaft und das Klima, sondern auch die Tessiner.“

Und die sind auch heute noch stolz auf ihren „paciügon“, der auf dem Gemeindefriedhof von Montagonola seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Längst sind die Schweiz und Hesse in gegenseitiger Liebe miteinander verbunden.

von wissen.de- Autorin Susanne Böllert
Total votes: 208