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Die ersten Kicker

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Einen ähnlichen Sport betreiben Priester und Adlige etwa 300 vor Christus in Japan; sie nennen es Kemari. Bei diesem Spiel gibt jedoch weder Tore noch Gegner. Hier ist vor allem Geschicklichkeit gefragt, denn Kemari ist nichts anderes als "Ballhochhalten": Die festlich gekleideten Spieler stehen im Kreis und jonglieren sich gegenseitig den Ball zu. Er darf jedoch den Boden nicht berühren. Eine Übung, die Fußballer auch heute noch im Training absolvieren.

Europa spielt Fußball!

Sogar Inuit, Azteken und Indonesier sollen das Spiel mit dem Ball noch vor den Engländern beherrscht haben. Und dann, um 1100 nach Christus, endlich die Erlösung: Europa spielt Fußball! Den Anfang machen Nordfrankreich und tatsächlich England. Doch genau genommen hat dieses Spektakel mit modernem Fußball nicht viel gemein. Man stelle sich die vorwiegend männliche Bevölkerung zweier Städte oder Dörfer vor, das sind die Mannschaften. Die Zahl der Spieler ist in dem Durcheinander jedoch nicht feststellbar: Offenbar darf hier jeder mitmachen. Das Objekt der Begierde ist ein großer, schwerer Ball, um den man sich ohne Rücksicht auf Verluste prügelt. Die Spieler treiben ihn über Plätze, Felder und Hecken, durch Gräben und Bäche, hin zu einem vorher verabredeten Ziel: vielleicht eine Scheune oder ein Stadttor. Die gegnerische Mannschaft versucht das allerdings zu verhindern und den Ball in die andere Richtung zu treiben. Das Spiel gleicht im Grunde einer Massenschlägerei. Schwerverletzte und zerbrochene Fensterscheiben sind keine Seltenheit. Heute noch pflegen "echte" englische Ladies und Gentlemen eine allerdings nicht ganz so schmerzhafte Variante, den sogenannten Shrovetide Football.

So beliebt der mittelalterliche Zeitvertreib bei der Bevölkerung auch sein mag, der Obrigkeit bleibt er fast 700 Jahre lang ein Dorn im Auge. Denn mit wilden Rabauken sind keine Kriege zu gewinnen, man braucht gut ausgebildete Soldaten, die sich besser im Bogenschießen üben sollten. Deshalb gibt es kaum einen englischen oder schottischen König, der nicht mindestens einmal während seiner Amtszeit den Fußball verbietet. Allerdings ohne Erfolg. Im Gegenteil: Pädagogen des 16. und 17. Jahrhunderts erkennen im Fußball eine durchaus gesunde Leibesertüchtigung und eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Vorausgesetzt man schlägt sich nicht gleich gegenseitig tot. Richard Mulcaster (1533-1611), Direktor der Schule von St. Pauls, fordert die Einführung von Regeln. An seiner Schule beschränkt er die Zahl der Spieler pro Mannschaft und ächtet grobe Fouls wie Rempeln und Treten. Fußball wird damit zum englischen Schulsport.
Die einfache Bevölkerung hält nichts von diesen marklosen Vorschriften und prügelt weiterhin Ball und Gegner durch die Landschaft. Die einzige Regel, an die man sich immerhin zu halten scheint, stellt die Kirche auf: Das sonntägliche Spielverbot wird in England mehr als 300 Jahre lang befolgt.

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aus der wissen.de-Redaktion
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