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Die deutsche Einheit - fast ein Wunder

Der 3. Oktober: eine epochale Zäsur

Deutschland wurde durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs geteilt. Die Teilung ergab sich aus den unüberbrückbaren Gegensätzen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion, die bald nach Kriegsende aufbrachen. Anfangs hielten die meisten Deutschen die Teilung für vorübergehend. Die Wiedervereinigung wurde als Staatsziel in das Grundgesetz der Bundesrepublik aufgenommen, und die erste Verfassung der DDR erklärte Deutschland für unteilbar. Der Volksaufstand des 17. Juni 1953 zeigte jedoch deutlich, dass eine Wiedervereinigung unter den Rahmenbedingungen der Konfrontation zweier Machtblöcke im Kalten Krieg nicht möglich war. Dieser Tag sollte in Westdeutschland zum "Tag der deutschen Einheit" werden.

Teilung unerwünscht?

Obwohl in der Bundesrepublik Deutschland der 17. Juni am 4. August 1953 als "Tag der deutschen Einheit" zum gesetzlichen Feiertag erklärt wude, verblasste mit dem wachsenden Wohlstand und der Einbindung in das westliche Bündnissystemin der Bundesrepublik in der Folgezeit der Gedanke an die "Brüder und Schwestern im Osten". Mehr noch: Immer häufiger wurde die Wiedervereinigung für unmöglich, ja für unerwünscht erklärt. Politiker und Publizisten vor allem des linken Spektrums meinten, die deutscheTeilung sei notwendig für den Frieden in Europa oder das Volk der DDR wünsche gar keine Wiedervereinigung. In der DDR war es gerade umgekehrt. Die DDR-Bürger maßen ihre Situation, vor allem die wirtschaftliche, an den Verhältnissen in der Bundesrepublik. Zwar hoffte kaum jemand auf Wiedervereinigung, weil das außerhalb jeder realistischen Erwartung lag, aber von einem gleichgültigen Verhältnis zum andern Teil Deutschlands, wie es im Westen so verbreitet war, konnte keine Rede sein.

Die Wiedervereinigung - ein Volksfest

Hauptfeierlichkeiten zur Wiedervereinigung am 3. Oktobe 1990  vor dem Reichstagsgebäude in Berlin
3. Oktober 1990 - Hauptfeierlichkeiten vor dem Reichstagsgebäude in Berlin
Von niemandem vorausgesehen, erschien die Wiedervereinigung Deutschlands, die sich 1990 innerhalb weniger Monate vollzog fast wie ein Wunder. Sie war kein isolierter Vorgang und eingebettet in den Zerfallsprozess des Kommunismus, der 1989/90 mit dem jähen Zusammenbruch des Herrschaftssystems in sechs Staaten des damaligen Ostblocks endete. In der Nacht vom 2. auf den 3.Oktober 1990 feierte eine unübersehbare Menschenmenge vor dem Reichstagsgebäude in Berlin die Wiedervereinigung. Von nationalistischen Ausbrüchen war nichts zu spüren. Vielerorts fanden Volksfeste statt. Seitdem wird der 3. 10. als Gedenktag zur Wiederherstellungder deutschen Einheit begangen. Er löste den 17. Juni als Feiertag ab. Dieser bleibt aber ein historisches Symbol für den Kampf um Demokratie, Menschenrechte und ein menschenwürdiges Leben.

Erst in der Rückschau wird heute erkennbar, welche Voraussetzungen zusammenkommen mussten, um die Wiedervereinigung zu realisieren.

Der Zerfallsprozess des Kommunismus wurde zwar nicht durch die Reformpolitik Michail Gorbatschows ausgelöst, aber von ihr beschleunigt. Gorbatschow ließ eine bis dahin undenkbare Lockerung der Blockdisziplin zu und gab schließlich zu erkennen, dass sich die Sowjetunion nicht in die inneren Angelegenheiten der "Bruderländer" einzumischen gedachte. So kam es, dass die Parteiführungen der Blockstaaten - mit Ausnahme der rumänischen - 1989/ 90 den demokratischen Kräften fast widerstandslos das Feld räumten.

Das war auch in der DDR der Fall, aber hier kam etwas Besonderes hinzu: Die DDR war kein Nationalstaat. Ungarn blieb Ungarn, Polen blieb Polen, gleichgültig wer dort regierte. Die DDR existierte nur kraft der von der UdSSR gestützten Diktatur der SED. Sie war von der großen Mehrheit der Bevölkerung niemals als ihr Staat akzeptiert worden.

Die Grenzen sind offen

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Stolzer D-Mark-Besitzer

1.Juni 1990: Kurt Körner (63) hält 1000 DM in der Hand. Er war einer der ersten, die im Zuge der Währungsunion ihr Geld tauschten. Körner möchte es für die Beerdigung seiner Frau ausgeben, die kürzlich verstarb.

So kam der stärkste Anstoß zum Sturz des SED-Regimes von der Massenflucht einfacher DDR-Bürger, die im September 1989 einsetzte, nachdem Ungarn seine Grenze zu Österreich geöffnet hatte. Bis Ende des Monats gelangten 25 000 Personen in die Bundesrepublik. Außerdem drängten sich tausende DDR-Bürger auf dem Gelände der bundesdeutschen Botschaften in Prag und Warschau. Im Lande nahm die Gärung zu. Die Menschen verloren die Angst und gingen auf die Straße und erklärten erst "Wir sind das Volk" und wenig später "Wir sind ein Volk". Am 17.Oktober 1989 wurde Erich Honecker gestürzt. Der neue Partei- und Staatschef Egon Krenz sah sich gezwungen, die Grenze zu öffnen. Dies geschah am 9. November 1989. Das alte Regime war nicht mehr zu halten. Am 3. Dezember 1989 traten ZK und Politbüro zurück. Krenz legte wenige Tagespäter seine Staatsämter nieder. Am 8. März 1990 fanden freie Volkskammerwahlen statt. Der neue Ministerpräsident Lothar de Maizière nannte in seiner Regierungserklärung als Ziel die schnelle Herbeiführung der Einheit Deutschlands nach Artikel 23 des Grundgesetzes der Bundesrepublik. Am 1. Juli trat der Vertrag über die Währungsunion in Kraft und am 12. September konnte mit der Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrags in Moskau auch das letzte außenpolitische Hindernis beseitigt werden.

Die nationale Einheit wurde am 3. Oktober 1990 formell wieder hergestellt. Der Tag der deutschen Einheit wird fortan an diese epochale Zäsur erinnern.

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