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Dessous – Sternstunden der Verführung

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Korsett

Korsett und Reifrock gelten als die ersten Dessous: Zuerst geschnürt, später dann mit Metall-Ösen verschlossen, raubten die Mieder Männern den Atem und Frauen die Luft. Der Erfindung der Nähmaschine machte aus den einst sehr teuren Dessous ein günstiges Massenprodukt. Ein riesiger Industriezweig mit Tausenden von Korsettmachern entstand und machte die Ware für fast jede Frau erschwinglich. Schließlich war es damals nicht anders als heute: Frau wollte dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

Zierlich und zerbrechlich sollte die Biedermeierfrau aussehen. Dazu war jedes Mittel recht: Zuerst der Reifrock, der mit Stahlstangen und Ledereinsätzen die bis zu sechs Meter breiten Kleider stützte, anschließend die korbartige Tournüre, die den falschen Steiß formte. Mit diesem am Rückenende angebrachten steifen Gestell türmten sich die Kleider in Falten zum so genannten Cul de Paris, dem Pariser Hinterteil. Heute kaum vorstellbar, raubte es seinerzeit den Herren der Schöpfung fast den Verstand.

Um die Jahrhundertwende machte sich auch modisch der Einfluss des Jugendstils bemerkbar. In der Wäschewelt ging es romantischer und feiner zu. Leinen, Batist, Stickereien, Spitzen, farbige Bänder und herzförmige Ausschnitte kamen auf. Dennoch kein leichtes Vergnügen: Je eleganter die Frau, desto mehr Kleidungsstücke galt es zu tragen. Auf rund fünf Pfund kam, wer damals was auf sich hielt: Nebst Unterwäsche gehörten Anstandsrock, Korsett, Halbunterrock und Untertaille unter jedes Kleid. Vor allem die neuen Korsetts machten den Damen das Leben schwer. Ihre angesagte S-Form drückte die Brust nach vorn, Bauch und Po nach hinten. Dazu mussten die Gestelle weit über die Hüften reichen, was die Bewegung der Hüftgelenke beeinträchtigte und beim Sitzen oft heftige Schmerzen bereitete.

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Melanie Ulrich
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