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Den Bauern nach dem Wetter fragen

Die Sprüche des Volksmundes sind vielfach das Ergebnis langjähriger meteorologischer Beobachtungen.

Neulich beim Wandern. Wolken zogen auf. Ob er, der Almbauer, denn wisse, wie das Wetter würde. So ein Landwirt, hoch oben im Gebirge, der muss sich da doch auskennen.

Der Mann schaut hinauf, wirft einen kritischen Blick in die Ferne, beobachtete die kleinsten Anzeichen der Natur, die ihm einen Hinweis auf das Wetter der nächsten Tage geben. Jahrhunderte alter Überlebenskampf der Bauern hier oben hat die Menschen sensibel dafür gemacht. Meint man. Dieser Almbauer aber setzt wohl lieber auf moderne Messtechniken denn auf alte Bauernregeln. Er zuckte mit den Schultern: „Ich habe die Wettervorhersage heute noch nicht gehört.“

Es gibt sie aber noch, die Bauern- und Wetterregeln, die Weisheiten und Ratschläge, die die bäuerlichen Vorfahren in Merkverse gegossen haben, um sich so den aus ihren Erfahrungen gewonnen Wissensschatz besser merken und vor allem leichter an die nächste Generation weitergeben zu können. „Der Abend rot und weiß das Morgenlicht, da trifft den Wanderer böses Wetter nicht“, hätte der Mann auf der Alm sagen können.

Im Wald da rauscht der Wasserfall

Wolf-Dietmar und Ursula Unterweger haben in „Bauerschlau durchs Jahr“ (Rosenheimer Verlagshaus) zahlreiche dieser Weisheiten zusammengetragen: Wetterregeln, Lostagssprüche und Bauernregeln für die Arbeit in Garten, Feld, Haus, Hof und Holzschlag.  Denn sie sagen: „Die Ratschläge haben ebenso wie manche Mondbeobachtungen bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.“ Mit Sprüchen wie „Im Wald da rauscht der Wasserfall, hört's Rauschen auf, ist's Wasser all." oder:“  Wenn der Hahn kräht auf dem Mist ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.“ hat das nichts zu tun.  Vielmehr hätten jahrhundertelange Beobachtungen und eine tiefe Verbundenheit zur Natur gewisse, regelmäßig wiederkehrende Erscheinungen im Wettergeschehen erkennen lassen. Sehr früh habe man verstanden, daraus und auch aus dem Verhalten der Tiere und Pflanzen die Wetterentwicklung mit einem gewissen Maß an Sicherheit vorauszusagen. Insgesamt lassen sich die Bauernregeln in vier Gruppen gliedern: die astrologischen Sprüche, Aussagen für die Ernte, an Windeswehen, Donner und Blitzerscheinungen angeknüpfte Regeln und Weissagungen aus Erscheinungen der Tier- und Pflanzenwelt. Eine besondere Rolle spielen dabei die so genannten Lostage. Der bekannteste ist wohl der „Siebenschläfer“, der 27. Juni: „Ist der Siebenschläfer nass, regnets ohne Unterlass.“ Die meisten dieser Tage sind Heiligenfeste, denn die Bauern früherer Zeiten waren sehr gottesfürchtig. „In vielen dieser Sprüche lernen wir die wirklichen Geistes- und Seelenkräfte eines alten Berufsstandes kennen“, schreiben die Unterwegers. Das ganze Wesen des Bauern drücke sich darin aus, er sei wortkarg, die Regel daher kurz und bündig.

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aus der wissen.de Redaktion
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