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Das Wichtigste zu FFP2-Masken im Überblick

Hohe Infektionszahlen, neue Virusmutationen – noch immer ist das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus hoch. Um die Ausbreitung von Covid19 einzudämmen, empfehlen Experten in Bus und Bahn oder beim Einkaufen statt der üblichen Mund-Nasen-Bedeckung zertifizierte FFP2-Masken zu tragen, da sie die Mitmenschen und auch den Träger besser schützen. Aber was gibt es beim Kauf zu beachten? Und wie werden die FFP2-Masken richtig getragen?

Die bisher üblichen Alltagsmasken können zwar Tröpfchen auffangen und die Ausatemluft bremsen, halten aber Aerosole, also kleinste Partikel in der Atemluft, nicht so gut ab. Die sogenannten "Filtering Face Pieces"-Masken, die eigentlich als Staubschutzmasken vor allem auf Baustellen eingesetzt werden, sind hingegen dichter. Denn in der Maske befindet sich eine spezielle Filterschicht, die elektrostatisch aufgeladen ist.

"Die partikelfiltrierenden Halbmasken FFP2/FFP3 nach der europäischen Norm DIN EN 149 bieten mehr Schutz vor einer Virusübertragung als herkömmliche Mund-Nasen-Bedeckungen oder sogenannte OP-Masken", bestätigt André Siegl vom TÜV-Verband. "Durch Material und Passform filtern FFP2-Masken kleinere und mehr Partikel aus der Luft und können bis zu 94 Prozent der Aerosole filtern.“

Worauf muss man beim Kauf achten?

"Mangelhafte oder gefälschte Masken sind rein optisch nicht leicht zu erkennen“, warnt Siegel. "In den vergangenen Monaten kamen wiederholt fehlerhafte FFP2-Masken mit gefälschten Kennzeichnungen in Umlauf. Wenn die Filterleistung nicht den Anforderungen der Norm entspricht, kann das für den Träger unter Umständen durchaus gefährlich sein und eine Infektion zur Folge haben.“

Deshalb sollte man beim Kauf unbedingt vorher die Qualität der Maske prüfen: „Geruch und Festigkeit des Materials können erste Aufschlüsse über die Eignung geben“, so der Experte. Und in jedem Fall sollte man besonders genau untersuchen, ob die FFP2-Maske vertrauenswürdig gekennzeichnet und zertifiziert ist.

In Europa werden partikelfiltrierende Halbmasken nach der Norm DIN EN 149 geprüft. Die von den europäischen Behörden zugelassenen Prüflabore, wie zum Beispiel die des TÜV-Verbands, untersuchen dafür unter anderem Material, Verpackung, Filterwirkung und die Dichtigkeit der Masken gegenüber Aerosol und kleinere Tröpfchen. Bei bestandener Prüfung zertifizieren bestimmte Prüforganisationen, unabhängig von den Herstellerangaben, die Masken. Erst danach stimmen sie mit der EU-Verordnung für persönliche Schutzausrüstung überein und garantieren die Schutzwirkung, die auch gegen das Coronavirus schützt.

Was sind die wichtigsten Kennzeichen?

Aber wie erkennt man eine solche Verifizierung? Auf der Maske sollte zunächst explizit angegeben sein, dass sie der europäischen Norm DIN EN 149 entspricht. Die Norm wird mit Jahresangabe versehen und lautet DIN EN 149 mit 2009-08 oder auch EN 149:2001+A1:2009.

Zusätzlich zeigt das CE-Kennzeichen, dass die Maske alle rechtlichen Anforderungen in der EU erfüllt. Die darauffolgende vierstellige Nummer gibt an, welches Prüfinstitut die Zertifizierung durchgeführt hat. So steht beispielsweise die CE 0158 für die Dekra, die Nummer 1008 für den TÜV Rheinland. In der sogenannten NANDO-Datenbank auf der Website der EU-Kommission kann man überprüfen, ob die Nummer einer Prüfstelle korrekt ist.

Zudem sollte die FFP-Schutzstufe angegeben sein. Hier gilt, dass zum Schutz vor einer Infektion mindestens die Stufe FFP2 für die Filterleistung von mindestens 94 Prozent gewählt werden sollten. FFP3 Masken filtern bis zu 99 Prozent der Partikel aus der Atemluft. Manchmal findet man hinter der Schutzstufe auch den Zusatz "NR", der Not Resuable bedeutet und übersetzt dafür steht, dass man die Maske nicht wiederverwenden darf. Der Buchstabe "R" bedeutet hingegen wiederverwendbar und der Zusatz "D" dafür, dass die Maske den sogenannten Dolomitstaubtest bestanden hat und deshalb für mindestens acht Stunden wiederverwendbar ist. Das zusätzlich angegebene Haltbarkeitsdatum garantiert, bis wann diese Filterleistung mindestens wirkt.

Bei Zweifeln kann man sich vor dem Kauf einer Maske auch zusätzlich an die Verkäufer wenden.  Denn sie sind grundsätzlich zur Auskunft verpflichtet. Auf der Maske und auf der Verpackung sollte der Herstellername oder eine Marke mit Artikelnummer abgedruckt sein. Eine weitere Informationsquelle für Produktrückrufe, -warnungen, aber auch Untersagungsverfügungen hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAuA) veröffentlicht. In der Liste "Gefährliche Produkte in Deutschland" sind alle bisher entdeckten mangelhaften FFP2-Masken aufgelistet.

Mit oder ohne Ventil?

Wenn man die Kennzeichen auf der FFP-Maske kontrolliert hat, sollte man zudem darauf achten, dass die FFP-Maske am besten kein Ventil besitzt. Denn diese ventillosen Masken filtern sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher einen Eigen- und Fremdschutz. Bei Masken mit Ventil ist der Fremdschutz hingegen wesentlich geringer, da ausgeatmete Aerosole nicht durch das Filtermaterial abgefangen, sondern nur in gewissem Umfang durch das Ventil gebremst und verteilt werden.

"Das Ventil erleichtert Trägern von FFP2-Masken zwar das Atmen, die Maske schützt dann allerdings nur sie selbst", sagt Siegl. "Für Besuche in Alters- oder Pflegeheimen und in Gegenwart von Risikopatienten sind die FFP2-Masken mit Ventil daher nicht geeignet."

Auch Passform und Sitz wichtig

Zusätzlich sollte man die FFP-Masken verschiedener Hersteller anprobieren. „Für den maximalen Schutz sind ein optimaler Sitz und die richtige Passform sehr wichtig“, erklärt Siegl. „Verbraucher sollten Maskenmodelle unterschiedlicher Anbieter testen und so herausfinden, welches Modell am besten passt.“ Auch wenn für FFP2-Masken keine standardisierten Größen festgelegt sind, bieten einige Hersteller unterschiedliche Größen an und auch spezielle Modelle für Kinder.

"Wenn die Maske am Nasenrücken, den Wangen und Kinn gleichmäßig eng anliegt, aber ohne stark zu zwicken oder zu drücken, und keine Luft durch Öffnungen einströmt, ist ein idealer Schutz gegeben", so der Experte. "Die Atemluft wird dann beim Ein- und Ausatmen gefiltert. Die Träger spüren dann einen höheren Atemwiderstand. Das Ausatmen erzeugt einen spürbaren Überdruck in der Maske." Wenn die Luft jedoch über den Rand an Wange, Kinn oder Nase entweicht, sollte man den Sitz korrigieren oder ein anderes Modell wählen. Bartträgern wird zudem empfohlen sich zu rasieren, da die Atemluft und Partikel durch die Haare strömen können.

Wie lange kann die Maske getragen werden?

Bei FFP-Masken handelt es sich generell um Einwegprodukte: Als Schutzausrüstung für die Arbeitsumgebung sind sie für eine Acht-Stunden-Schicht ausgelegt. Bei starker, körperlicher Belastung kann der erhöhte Atemwiderstand aber das Atmen erschweren. Daher ist bei der Arbeit eine maximale Tragedauer von zwei Stunden am Stück für FFP2-Masken mit Ventil vorgeschrieben. Die Masken ohne Ventil darf man sogar nur 75 Minuten tragen. Nach dieser Zeit sollte die Maske für 30 Minuten abgelegt werden.

Für den privaten Bereich im Alltag kann eine FFP2-Maske häufiger, aber am besten auch nur an einem Tag benutzt werden, etwa für den Einkauf und die Fahrt zur Arbeit mit dem öffentlichen Nahverkehr. Zwischendurch sollte die Maske dann für ungefähr eine Woche trocken gelagert werden, zum Beispiel aufgehangen an einem Haken oder Nagel an der Wand oder an der Wäscheleine - bei mehreren Personen im Haushalt streng getrennt nach Maskenträger. Hat man die FFP-Maske dann aber fünf Mal getragen und wieder getrocknet, verliert sie an Schutzwirkung und sollte weggeworfen werden.

Theoretisch kann man die Masken auch bei 80 Grad Celsius erwärmen statt sie trocken zu lagern. Aber weder Mikrowelle, Waschmaschine, noch UV-Lampe sind dafür geeignet, weil die Masken dabei beschädigt werden können. Und auch eine Erwärmung im Backofen ist bisher umstritten und wird von Forschern von der Fachhochschule Münster geprüft. "Von einer Reinigung im Backofen kann ich nur abraten", so Siegl. "Die Masken bestehen häufig aus hitzeempfindlichen Fasern, die den hohen Temperaturen im Backofen nicht standhalten. Eine Reinigung im Backofen senkt also das Schutzniveau und die freigesetzten Schadstoffe sind ungesund."

Wenn die Maske durchfeuchtet, verschmutzt oder beschädigt ist, muss sie sofort entsorgt werden. Durch die Feuchtigkeit verliert sie ihre Ladung und somit die Filterwirkung.

Dennoch kein Voll-Schutz

Aber auch, wenn man die Kennzeichen geprüft hat, die Maske dicht am Gesicht anliegt und regelmäßig ausgewechselt wird, bietet sie keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Coronavirus-Infektion. "Man muss sich auch generell von der Vorstellung freimachen, dass es eine einzige Maßnahme gibt, die das Risiko einer Infektion auf null senkt“, warnt Christof Asbach von der Gesellschaft für Aerosolforschung.

Deshalb sollte man auch mit FFP2-Maske andere Schutzmaßnahmen weiterhin beachten,  dazu gehören unter anderem Abstand halten, möglichst wenige Menschen treffen,  auf Hygiene achten und lüften.

Quelle: TÜV-Verband et al.

ABO, 21.01.2021
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