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Das Schicksal unbeachteter Genies

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Handicaps hochbegabter Kinder

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Mädchen spielt Schach
Das hochbegabte Kind zeichnet sich u.a. durch eine besondere Schnelligkeit im Denken aus. Es entwickelt neue und originelle Ideen, denkt gern "um die Ecke" und wartet mit unkonventionellen Lösungen zu einem Problem auf. Das kann dazu führen, dass hochbegabte Kinder Gleichaltrigen oft zwei Schritte voraus sind und ohne Zwischenschritte und für den Lehrer auf unerkennbarem Wege zur richtigen Aufgabenlösung finden. Diese wird dann in der Schule oftmals nicht anerkannt, weil der Lösungsweg nicht nachvollziehbar ist. Manchen hochbegabten Kindern wird gar von den Lehrern vorgeworfen, sie würden schummeln und abschreiben.

Ein anderes "Handicap" dieses schnellen Denkens ist, dass es oft zu so banalen Ergebnissen für Aufgabenstellungen führt, dass das Kind denkt, es wäre zu einer falschen Antwort gekommen, da es ja nicht so einfach sein könne. Das hat zur Folge, dass das Kind diese Antwort nicht ausspricht und der Lehrer dann davon ausgeht, es könne die Aufgabe nicht lösen.

Von Lehrern werden diese Zeichen oft falsch gedeutet. Anstatt das Kind in seinen Begabungen zu fördern, werden die Eltern in die Schule bestellt. Dort wird Ihnen dann mitgeteilt, dass das Kind den Anforderungen des Unterrichts nicht gewachsen sei - was einzig und allein daraus geschlossen wird, dass das Kind nicht am Unterricht teilnimmt oder seine Hausaufgaben nicht macht. Viele Eltern werden darauf hingewiesen, dass ihr Kind nur noch den Unterricht stört und oft wird ihnen eine Versetzung des Kindes auf eine andere Schule nahe gelegt.

Es ist leider keine Seltenheit, dass Kinder mit einem extrem hohen Intelligenzquotienten vorwiegend schlechte Noten nach Hause bringen und dann in schulischen Einrichtungen landen, wo ihr Potential dann endgültig erstickt wird.

In unserer Konkurrenzgesellschaft leiden viele Eltern hochbegabter Kinder noch heute darunter, dass Ihnen von neidischen Mitmenschen schnell unterstellt wird, zu viel von ihrem Kind zu verlangen oder es unter enormen und "nicht-kindgerechten" Druck zu setzen. Somit schrecken viele Elternpaare davor zurück, sich nach geeigneten Fördermöglichkeiten für Ihr Kind zu erkundigen - für Eltern minderbegabter Kinder inzwischen fast selbstverständlich. Viele Eltern trauen sich anfangs nicht einmal, ihrer Vermutung, ein hochintelligentes Kind zu haben, nachzugehen.

Doch zum Glück vollzieht sich in den letzten Jahren ein Wandel und ganz allmählich macht sich die Einsicht breit, dass auch hochbegabte Kinder einer speziellen Förderung bedürfen. Die Sensibilität für diese Thematik nimmt bei Eltern, Pädagogen und Bildungspolitikern erfreulicherweise zu. Es werden neue Schulen und Einrichtungen ins Leben gerufen, die die besonderen Fähigkeiten hochbegabter Kinder fördern sollen. Unterstützen Sie Ihr Kind soweit es geht und bieten Sie ihm eine optimal auf seine Begabung ausgerichtete Lernumgebung. Erkundigen Sie sich beim zuständigen Kultusministerium oder bei Beratungsstellen für Hochbegabte nach den verschiedenen Fördermöglichkeiten und -einrichtungen.

aus der wissen.de-Redaktion
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