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Was kann sie - und was nicht?

Lange wurde von ihr geredet, jetzt ist sie endlich da: die Corona-Warn-App. Sie soll dabei helfen, potenziell mit dem Coronavirus infizierte Personen zu warnen und so eine Verbreitung von Covid-19 eindämmen. Aber wie funktioniert diese App? Was ist mit dem Datenschutz? Und wer kann sie überhaupt nutzen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur deutschen Corona-App.

Diagnose-Screen der Corona-Warn-app
Nutzer, die die App neu installiert haben, bekommen die Meldung "Unbekanntes Risiko" auf der Startseite. Sobald die App länger im Gebrauch ist, wird auch die entsprechende Risikomeldung angezeigt.

Seit Dienstag, 16. Juni 2020, ist es soweit: Ab diesem Tag können sich Smartphone-Nutzer die kostenlose Corona-Warn-App herunterladen, die im Auftrag der Bundesregierung und des Robert-Koch-Instituts von Wissenschaftlern und den Unternehmen Telekom und SAP entwickelt wurde. Die App ist für iPhones im App-Store von Apple und für Android-Handys bei Google Play zum Download verfügbar.

Schon acht Millionen Downloads

Trotz des lange Hickhacks um die konkrete technische Ausgestaltung der App und Datenschutzfragen scheint sie nun aber allen Ansprüchen genüge zu tun – und der Start ist recht erfolgreich: Schon in den ersten zwei Tagen haben sich rund acht Millionen Menschen diese App auf ihr Smartphone geladen. Das entspricht rund zehn Prozent der Deutschen und könnte somit schon merklich dazu beitragen, die Infektionsketten besser und schneller zu durchbrechen.

Denn: Vor ein paar Monaten ermittelten Forscher zwar, dass 60 Prozent der Bevölkerung eine solche Tracing-App nutzen müssen, um effektiv zu sein. Doch ihr Modell gilt nur, wenn sonst keine Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten oder Gesichtsmasken im Einsatz sind. Inzwischen gehen Epidemiologen davon aus, dass schon ein Anteil von zehn bis 20 Prozent App-Nutzern eine deutliche Wirkung auf die Verbreitung des Coronavirus haben können.

Doch wie genau funktioniert die Corona-Warn-App? Wer kann sie nutzen? Und wie hilft sie gegen die Corona-Pandemie?

Bildmenüs der Corona-Warn-App
Corona-Warn-App: So sieht die Benutzeroberfläche aus. Die Android- und iOS-Varianten unterscheiden sich nur geringfügig.

Was tut die App gegen Corona?

Die Corona-Warn-App schützt mich nicht unmittelbar vor einer Ansteckung – und sie warnt mich auch nicht in Echtzeit vor dem Kontakt mit einer infizierten Person. Aber sie kann mir im Nachhinein Bescheid sagen, wenn ich in den letzten 14 Tagen engeren Kontakt mit einer Person hatte, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde.

Der Vorteil dabei: Durch die App lassen sich solche potenziell infektiösen Kontakte schneller benachrichtigen als über die klassische Kontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter. Denn dabei müssen Mitarbeiter erst die infizierte Person befragen und sie bitten, sich an alle Begegnungen zu erinnern – schon das ist zwangsläufig lückenhaft. Dann müssen sie allen Kontaktpersonen hinterher telefonieren um diesen Bescheid zu sagen. Dieser ganze Prozess kann Tage dauern – und in diesen Tagen kann eine durch den ursprünglichen Virenträger angesteckte Person ihrerseits schon wieder andere angesteckt haben.

Je mehr Zeit vergeht, desto schwerer ist es daher, Infektionsketten zu unterbrechen. Und genau hier setzt die Corona-Warn-App an. Sie soll die Zeit verkürzen, die von der Diagnose einer mit Corona infizierten Person bis zur Benachrichtigung aller von ihr potenziell angesteckten Menschen vergeht.

Im Gegensatz zu Tracking-Apps, wie sie beispielsweise in einigen Ländern Südostasiens eingesetzt wurden, liest die App dafür weder meine Standortdaten noch meine Bewegungsdaten aus. Sie kann also nicht nachvollziehen oder protokollieren, wo ich unterwegs bin oder mit wem. Stattdessen handelt es sich bei der Corona-Warn-App um eine Tracing-App. Sie kann nur feststellen, ob ich mit einer als infiziert gemeldeten Person Kontakt hatte – aber nicht wo oder mit wem.

Wie funktioniert das Tracing?

Wenn man die Corona-Warn-App auf seinem Handy installiert hat, läuft sie ständig im Hintergrund. Damit sie funktioniert, muss die Bluetooth-Funktion des Geräts aktiviert sein, denn diese auch für die kabellose Übermittlung von Musik an Kopfhörer genutzten Signale sind für Abstandsmessung und Kontaktverfolgung durch die App essenziell.

Wenn man in der App die Funktion "Risiko-Ermittlung" eingeschaltet hat, sendet das Programm per Bluetooth in regelmäßigen Abständen eine Art Kennung aus, die aus einer Zahlenfolge besteht. Diese ID wird von der App ständig neu erstellt und enthält keine persönlichen Daten oder Hinweise auf die Person. Parallel zu diesem Senden scannt die App mithilfe der Bluetooth-Antenne auch die nahe Umgebung nach den ID-Signalen andere Handys mit der gleichen App ab. Erkennt die App ein solches ID-Signal eines fremden Handys, speichert es die ID auf meinem Handy ab. Als Nutzer kann ich diese Liste jedoch nicht einsehen.

Auch der Zeitpunkt und die Signalstärke der empfangenen IDs werden von der App gespeichert. Beides ist wichtig, um das Übertragungsrisiko bei einer nahen Begegnung einzuschätzen. Denn bei einem kurzen Vorbeilaufen im Park ist die Wahrscheinlichkeit, sich gegenseitig anzustecken extrem gering. Auch der kurze Kontakt zur Kassiererin an der Supermarktkasse reicht in der Regel für eine Infektion nicht aus. Anders ist dies dagegen, wenn ich längere Zeit mit einer anderen Person am Tisch sitze oder in einer Menschenmenge – beispielsweise auf einer Demo – einer Viertelstunde lang näher als zwei Meter neben jemandem stehe.

Weil die Bluetooth-Signale mit der Entfernung schnell schwächer werden, kann die App aus der Signalstärke errechnen, wie weit eine Person mit der gleichen App auf dem Handy von mir entfernt ist. Auch Barrieren wie Mauern oder Plexiglaswände dämpfen das Signal. Deshalb wird die App den Nachbarn, dessen Bett jenseits meiner Schlafzimmerwand steht, nicht als Risikokontakt einstufen.

Wann und wie warnt die App?

Damit die App vor einer möglichen Ansteckung warnen kann, sollte jeder App-Nutzer, der sich gerade auf Corona hat testen lassen und dessen Test positiv war, der App Bescheid sagen. Diese Angabe ist aber freiwillig. Damit niemand anderen einen Streich spielt und falsche Positivwarnungen eingibt, funktioniert dies nur durch einen zusätzlichen Code, den man vom Gesundheitsamt oder dem Testlabor bekommt. Das kann ein QR-Code sein, den man dann mit der Handy-Kamera scannt, oder aber ein aufs Handy geschickte Tan. Auch per Telefon kann man diesen Code erhalten.

Sobald der positive Befund in die App eingegeben ist, schickt diese ihre ID an einen zentralen Server. Dieser Zahlencode enthält weiterhin keinerlei Angaben über den Aussender oder das Handy. Der Server sendet die ID an alle anderen Smartphones mit der App weiter. Empfängt mein Handy eine solche ID, ruft es nun die Liste aller gespeicherter Zahlen-IDs der letzten 14 Tage auf und gleicht sie mit der neuen ab.

Gibt es eine Übereinstimmung, meldet die App: "erhöhtes Risiko" und informiert mich darüber, dass ich in den letzten 14 Tagen Kontakt mit mindestens einer Corona-positiv getesteten Person hatte. In diesem Fall sollte ich mich in Quarantäne begeben und meinen Hausarzt, das Gesundheitsamt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst verständigen. Sie organisieren dann einen Termin für einen Test.

Welche Voraussetzungen braucht mein Handy?

Die Warn-App läuft auf einigen älteren Smartphones nicht. Bei Android-Geräten ist die Voraussetzung, dass mindestens das im Jahr 2015 lancierte Betriebssystem Android 6 installiert ist. Ältere Versionen unterstützen die auf Bluetooth beruhenden Funktionen der App nicht. Beim iPhone funktioniert die Corona-Warn-App nur mit der neuesten Firmware iOS 13.5. Diese lässt sich aber auf älteren Modellen wie iPhone 5 oder iPhone 6 nicht mehr installieren. Das geht erst ab dem iPhone 6s.

Fragen und Antworten zur neuen Corona-Warn-App finden Sie auch auf den Seiten des Bundesgesundheitsministeriums und bei der Verbraucherzentrale.

NPO, 19.06.2020
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