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Copas y tapas - Gläschen und Häppchen

Die spanische Küche

In der Provinz Cuenca
Was fällt Ihnen in zehn Sekunden zum Thema Spanien ein? Na? War auch was zum Essen dabei? Oder bloß „fiesta“, „siesta“, Sonne, Flamenco und volle Altstadtgassen am späten Abend?

Womit wir schon die Kurve zum Thema Küche gekriegt haben. Denn Lebensart und leibliche Genüsse hängen unmittelbar zusammen. Deshalb nimmt man auf der heißen iberischen Halbinsel am späten Vormittag nur einen kleinen Snack, das „almuerzo“. Zwischen 14 und 17 Uhr machen Geschäfte und Büros dicht, man bleibt im Kühlen, isst in aller Ruhe zu Mittag – zum Auftakt oft Suppe oder Salat, als Hauptgang zum Beispiel Paella, gegrillter Fisch, Fleisch oder ein Eintopfgericht mit ordentlich Knoblauch und Olivenöl. Dazu gehört immer weißes Brot und als Dessert frisches Obst, Käse oder ein „flan“ - ein hausgemachter Vanillepudding mit Karamellsauce.

Mit einem Nickerchen klingt die „siesta“ geruhsam aus. Anschließend kehren alle an ihren Arbeitsplatz zurück und schaffen mit frischen Kräften bis in den Abend hinein – nur unterbrochen von einer kleinen Zwischenmahlzeit, der „merienda“. Erst zwischen 21 und 22.30 Uhr wird die „cena“ aufgetischt, das warme Abendessen.

Danach bleibt noch genug Zeit, um die milde Nachtluft zu genießen. Topfit und in bester Partylaune geht es von „tasca“ (Kneipe) zu „tasca“. Wer es schon mal erlebt hat, mit einer Horde fiestafreudiger Spanier loszuziehen: Ein Großteil des Vergnügens besteht in der „movida“, im Umherschweifen. Der Weg ist das Ziel. Ist der erste feste Hafen angesteuert, wird das Sitzfleisch nicht überstrapaziert. Ein schneller Schluck und weiter geht’s.


Vielleicht haben sich die Wirte deshalb etwas ausgedacht, um ihre eiligen Gäste ein wenig länger zu halten: Das spanischste aller spanischen Essen ist kein stundenlanger Menümarathon, sondern eine Art Naschwerk von der Hand in den Mund – hier ein Stück mundgerecht geschnittene „tortilla“ (Kartoffelomelett), da ein Anchovisröllchen. Die kleinen, pikanten Gaumenkitzler heißen „tapas“. Der Name bedeutet soviel wie „Deckel“.

Angeblich deckten die Wirte früher die Gläser ihrer Gäste mit einem Tellerchen ab, um sie vor lästigen Fliegen zu schützen. Irgendwann kam der erste auf die Idee, ein paar Oliven mit Schinken- und Käsescheibchen darauf zu legen – vermutlich um seinen Getränkeumsatz anzukurbeln. Nach alter Tradition genießen die Spanier ihre „copas“, ihre Gläschen, nämlich nicht solo, sondern nur in Begleitung von etwas Festem zwischen den Zähnen.


Heute ist Spanien für die große Vielfalt an salzigen Häppchen weltberühmt. Ebenso wie für die „siesta“. Der Schriftsteller Camilo José Cela schätzte sie als die „iberische Form des Yoga“. Doch neuerdings geht Kunde, dass die Regierung die lange Mittagspause abschaffen will. Beamte müssen bereits zur heißesten Tagesstunde schwitzen, Großkonzerne und Supermarktketten machen ebenfalls durch. Nur noch 20 Prozent aller Spanier haben Zeit für ihr Nickerchen.


Wir protestieren!

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Monika Wittmann
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