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Chronik: Zwei Tage im Juni

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RIAS sendet Streikforderungen

19.30 Uhr: Über den Westberliner Rundfunksender RIAS wird eine Resolution der streikenden Bauarbeiter verlesen: Sie fordern darin die Auszahlung der Löhne nach den alten Normen schon bei der nächsten Lohnzahlung, die sofortige Senkung der Lebenshaltungskosten, freie und geheime Wahlen sowie die Garantie, dass die Streikenden und ihre Sprecher nicht verfolgt werden. Den Aufruf zum Generalstreik verbreitet der RIAS aus rundfunkrechtlichen Gründen nicht. Der DDR-Rundfunk beschuldigt am Abend “westliche Agenten“, die Arbeiter aufgehetzt zu haben.

22.00 Uhr: Im Stadtzentrum von Ostberlin sind noch immer zahlreiche Demonstranten versammelt. Sie skandieren “Nieder mit der SED“ und reißen kommunistische Plakate ab. Die Stimmung wird zunehmend aggressiver. Es kommt zu Schlägereien. In der Nacht bilden sich in allen größeren Betrieben Streikkomitees, die den Generalstreik vorbereiten. Die Volkspolizei und die sowjetischen Truppen werden unterdessen in Alarmbereitschaft versetzt.

Streikende formieren sich

Mittwoch, 17. Juni, 5.00 Uhr: Aus allen Teilen Ostberlins strömen die Arbeiter ins Stadtzentrum. Allein aus dem Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf im Norden Berlins brechen 12.000 Arbeiter zum Marsch in die Innenstadt auf.

7.00 Uhr: In fast allen Betrieben wird gestreikt. Rund 40.000 Menschen ziehen in Richtung Alexanderplatz/Unter den Linden.

9.00 Uhr: Auf dem Alexanderplatz treffen die ersten sowjetischen Panzerspähwagen ein. Es kommt zu Tumulten, bei denen ein Arbeiter von einem Militärfahrzeug überrollt und getötet wird. Immer mehr Menschen versammeln sich im Stadtzentrum. SED-Parteilokale und Zeitungskioske werden in Brand gesteckt, Schaufensterscheiben der staatlichen HO-Geschäfte eingeschlagen und Autos von SED-Funktionären und Regierungsmitgliedern umgestürzt.

10.00 Uhr: Der Hauptzug der Demonstranten, etwa 50.000 Menschen, zieht durchs Brandenburger Tor und weiter Richtung Regierungssitz. der von einem fünfreihigen Polizeikordon abgesperrt ist. Es kommt zu tätlichen Auseinandersetzungen.

11.00 Uhr: Demonstranten holen die auf dem Brandenburger Tor gehisste rote Fahne herunter und zerreißen sie unter lautem Jubel. Vereinzelt sind die ersten Schüsse zu hören.

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