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Chronik der Frauen: Frauen schufen "neolithische Revolution" - Ackerbau und matriarchat

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Eine andere Kritik betrifft den Begriff "Hochkultur". Dieser ist in der Forschung derart eurozentristisch missbraucht worden, um andere oder frühere Kulturen als "primitiv" abzuwerten und sie als Folge davon der Kolonisierung preiszugeben, dass er nicht mehr verwendet werden sollte. Der sachlich neutrale Begriff "Stadtkultur" als Ergänzung zu "Stammeskultur" ist demgegenüber vorzuziehen, denn er beinhaltet keine hierarchische Abwertung von "hoch" und "niedrig". Stammes- wie Stadtkulturen können weiterentwickelt sein; Stadtkulturen weisen Stammeskulturen gegenüber jedoch eine größere gesellschaftliche Vielfalt und Differenziertheit der Funktionen auf.

Stand der Matriarchatsforschung

Die Matriarchatsforschung wurde von ihrem Pionier Johann Jakob Bachofen mit seinem Werk "Das Mutterrecht" (1861) begründet. Seine kulturhistorischen Studien fanden bald durch das Werk von Lewis Henry Morgan, dem Vater der Ethnologie, Ergänzung und Bestätigung. Seit dieser Zeit ist Matriarchatsforschung diskutiert und in den verschiedensten Disziplinen wie Kulturgeschichte, Archäologie, Ethnologie, Religionswissenschaft weiterentwickelt worden. Dies geschah leider nicht immer unter offener Deklarierung, dass es sich hier um Matriarchatsforschung handelt, sondern häufig unter verdeckenden Titeln. Die Wissenschaftler entzogen sich damit der Diffamierung, die in der Regel den Personen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, auch heute noch entgegenschlägt. Denn noch immer ist das Thema "Matriarchat" wegen seiner patriarchatskritischen und systemsprengenden Tendenz ein Tabu-Thema.

Andererseits mangelt es in der Forschungsgeschichte zum Matriarchat trotz guter Einzelstudien einer klaren Definition und Analyse der Grundstrukturen dieser Gesellschaftsform. Auch bei verdienstvollen Forschern wird "Matriarchat" als Begriff emotionsbeladen und unscharf verwendet, statt in wissenschaftlicher Analyse geklärt und definiert zu werden. Dieser Mangel hat die Vorurteile gegenüber diesem Thema bis heute nicht abgebaut, sondern leider durch neue Klischees erweitert.

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