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Chinesisches Neujahrsfest

2019 ist das Jahr der Erd-Schweins

Neujahr mitten im Februar? Wenn das Jahr bei uns längst begonnen hat, feiern mehr als eine Milliarde Chinesen den Jahreswechsel nach ihrem traditionellen Kalender. Das chinesische Neujahrsfest ist der größte Feiertag im Land der Mitte und löst immer wieder eine wahre Völkerwanderung aus. Denn die meisten Chinesen nutzen diese Tage, um ihre Familie zu besuchen – und reisen dafür hunderte bis tausende von Kilometern weit.

Chinesische Schweinepuppe mit Glückssymbolen
Am 5. Februar 2019 endet nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Erd-Hundes und es beginnt das Jahr des glücklichen und vergnüglichen Erd-Schweins.

Bei uns ist das einfach, der 31. Dezember ist Jahr für Jahr Silvester und der erste Januar ist auch jedes Jahr Neujahr. Innerhalb von einem, vielleicht zwei Tagen ist auch schon wieder alles vorbei: Ein paar Böller, ein bisschen Sekt, das war‘s. Im fernen China ist das um einiges komplizierter. Zum einen variiert das Datum des Jahresanfangs nach dem alten Kalender immer, zum anderen dauert es von der ersten Vorbereitung bis zum letzten Festtag, dem Laternenfest, gut und gerne einen knappen Monat.

Neujahr immer wann anders

Aber wie lässt sich nun das chinesische Neujahr berechnen? Schließlich fällt das Fest jedes Jahr auf einen anderen Tag. Das chinesische Kalenderjahr beruht auf einem sogenannten Lunisolarkalender: Er gliedert sich in zwölf Mondmonate, die jeweils 30 oder 29 Tage lang sind. Damit umfasst ein solches Mondjahr lediglich 354 Tage unseres 365 Tage umfassenden Sonnenjahres. Im Laufe der Zeit würden sich daher die Monate immer weiter gegenüber dem Sonnenjahr und damit auch den Jahreszeiten verschieben.

Um das auszugleichen, werden in bestimmten Abständen Schaltmonate eingeschoben. Das sorgt auch dafür, dass das chinesische Neujahrsfest immer in das Frühjahr fällt – die länger werdenden Tage und der Neubeginn in der Pflanzenwelt passen so auch zum kalendarischen Neuanfang. Nach offizieller Regelung fällt das Neujahrsfest immer auf den zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende, findet also zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar statt.

Darchentanz im chinesischen Foshan, 2013
Der Drache ist nicht nur im Jahr des Drachen von besonderer Bedeutung. Ganz gleich, ob das Jahr des Drachen, des Hundes oder des Schweines ansteht, der „Long“ steht alljährlich im Mittelpunkt des Neujahresfestes, denn er verheißt Glück und Frieden für das neue Jahr.

Von der Vorbereitung bis zum Laternenfest

Das Haus mit Bambuszweigen säubern, Opferung von süßem Reis an den Küchengott und das Schmücken mit roten Lampen und Fäden: Der Übergang vom alten ins neue Jahr wird in China von mehreren Tagen Vorbereitung begleitet. Am letzten Tag des Jahres ziehen dann Abermillionen Chinesen zu ihren Familien nach Hause und begrüßen das neue Jahr mehrere Tage lang mit spektakulären Festmählern, Feiern und Feuerwerken.

Rituale und alte Traditionen spielen dabei eine wichtige Rolle. Vor allem Bräuche rund um das Glück begleiten in mehr oder weniger strenger Ausführung die Tage rund um das Frühjahrsfest. So wird viel Rücksicht auf verschiedene Gottheiten und Legenden genommen, aber nicht nur das: Bücher- und Schuhkauf sind tabu, denn ihre Bezeichnungen klingen wie die chinesischen Begriffe für böse, schlecht oder Unglück. Das möchte man sich in diesen Tagen nicht kaufen. Genauso darf man sich nicht die Haare schneiden, da der Begriff dafür gleichklingend mit „Wohlstand“ ist -  und auch den möchte man sich ja nicht abschneiden.

Sage und schreibe 1,5 Milliarden Einzelreisen: Zum Neujahrsfest fahren und fliegen Chinesen traditionellerweise nach Hause, zu Familie und Verwandten. Allein innerhalb Chinas gleicht das schon einer wahren Völkerwanderung. Aber auch überall dort, wo inzwischen viele chinesische Bewohner zu Hause sind, wird gefeiert - und gereist. Ob in Vietnam oder Thailand, oder in den Chinatowns der westlichen Welt-  die Begrüßung des neuen Jahres ist immer eine Reise wert.

Löwentanz in Bangkok, 2016
Auch fernab von China finden Neujahresparaden statt – wie hier beim Löwentanz in Bangkok.

Zwölf Tiere zum Fest bei Buddha

Ziege, Drache oder Pferd. Im chinesischen Kalender sind die Tierzeichen nicht Monaten zugeordnet wie bei uns, sondern gleich ganzen Jahren. Und es sind Tiere dabei, die uns eher seltsam erscheinen. Woher kommt dieser Brauch – und wer wählte die Tiere aus?

Einer Legende zufolge hat es sich folgendermaßen zugetragen: Es war einmal vor 2.000 Jahren, als Buddha alle Tiere zum Fest einlud. Gekommen sind jedoch nur zwölf: Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund und Schwein. Wie jetzt? Schaf oder Ziege? Das kann man halten wie man mag, denn die Chinesen machen da keinen großen Unterschied.

So gab Buddha den zwölf Tieren als Geschenk jeweils die Aufsicht über ein Jahr. Man erzählt sich, dass auch die Katze kommen wollte, aber die Ratte hatte ihr einen falschen Tag genannt, weshalb noch heute alle Katzen aus Rache Ratten jagen. Andere Legenden hingegen erzählen andere Geschichten. Welche nun stimmt, ist aber ohnehin eher nebensächlich. Denn wichtig sind die Tiere den meisten Chinesen vor allem als Anzeiger für Glück, Pech und wichtige Ereignisse - ähnlich wie bei unseren Horoskopen.

Darstellung der Tierkreiszeichen an der Decke des Kushida-jinja in Fukuoka, Japan
Darstellung der Tierkreiszeichen an einer Decke des Kushida-jinja in Fukuoka, Japan

MAH
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