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DATEN DER WELTGESCHICHTE

China bis zur Reichseinheit 1200550 v. Chr.

Im Jahr 221 v. Chr. wurde das Reich der Mitte erstmals politisch geeint. Voraus gingen Jahrhunderte, deren politische Geschichte sich größtenteils nur durch Legenden fassen lässt und in der zahllose Kriege in den einzelnen Regionen des späteren Riesenreiches tobten. Trotz dieser Zerrissenheit wurde diese Zeit vor der ersten Einheit prägend für den gesamten späteren Verlauf der Geschichte und Kultur Chinas. Die grundlegenden Philosophien entstanden ebenso wie die traditionelle Sozialgliederung und die Grundzüge der Schriftsprache, die noch heute gebräuchlich ist.

Shang-Dynastie

Archäologisch nicht nachweisbar ist die nach der Legende im Jahr 2205 v. Chr. von Kaiser Yü errichtete Xia-Dynastie. Sie soll bis 1766 v. Chr. geherrscht und Lebensraum durch Flussregulierungen geschaffen haben. Ein Aufstand brachte die Shang-Dynastie an die Macht, die sowohl literarisch wie auch durch Ausgrabungen bezeugbar ist. Die Shang-Herrscher schufen eine funktionstüchtige Regierung und förderten die Landwirtschaft, deren Überschüsse die Versorgung eines stehenden Heeres erlaubten. Die Ausgrabungen bestätigen für einen frühen Zeitpunkt (ca. 1500 v. Chr.) einen hohen Stand in der Bronzeverarbeitung. Zu kultischen Zwecken entwickelten die Priester eine Art erster Schrift. Kennzeichnend war der Feudalismus als Gliederungsprinzip in Staat und Sozialordnung. Die Herrscher vergaben ihr Land als Lehen an regionale Fürsten, die eine massive Expansion an den Rändern des Reiches betrieben. Die Eroberungen führten zur Stärkung der Feudalherren, die ihrerseits die politische Ordnung durch eigene Machtansprüche gefährdeten. Die große Masse unter dem Herrscherhaus und den adligen Fürsten sowie dem Kriegerstand bildete die bäuerliche Bevölkerung. Sie verehrten in ihren Kulten erdverbundene Gottheiten wie den „Fürsten der Erde“ und den „Herrn der Hirse“. Für den Adel war der König auch das religiöse Oberhaupt, da er mit den göttergleichen Ahnen in Kontakt stand. Seine Thronansprüche waren nicht durch Abstammung gerechtfertigt, sondern basierten auf einem göttlichen Auftrag. Diese Vorstellung erleichterte es der Chou-Sippe, den Sturz der Shang-Dynastie ab 1122 v. Chr. herbeizuführen.

Chou-Dynastie

Der bisherige oberste Gott „Shang-ti“ wurde durch T'ien ersetzt, der nun seinerseits die Chou mit einem „himmlischen Auftrag“ versah und ihre Thronokkupation damit legitimierte. Fast 900 Jahre regierten die Chou offiziell in China. Tatsächlich aber lässt sich diese erst 249 v. Chr. endende Herrschaftszeit in drei Phasen untergliedern, dessen erste bis 771 v. Chr. dauerte und als Einzige eine Zeit tatsächlicher Herrschaft durch die Dynastie darstellt. Die Chou übernahmen das Feudalsystem der Shang-Könige und teilten den Fürsten in den Grenzregionen sogar noch Soldaten zu. Dadurch wurde das Reich zwar abgesichert, aber die Macht der Feudalherren, von denen es zeitweilig über 1700 gab, wuchs beständig gegenüber den Königen. 841 v. Chr. musste König Li Wang bereits angesichts einer Revolte fliehen und 771 v. Chr. brach die Zentralherrschaft endgültig zusammen. Die nun einsetzende zweite Phase dauerte bis 481 v. Chr. und wird nach Konfuzius „Frühling und Herbst“ genannt. Aus den zahlreichen Stadtstaaten und kleineren Herrschaften bildeten sich elf Fürstentümer, die miteinander konkurrierten. Die „Zeit der streitenden Reiche“ bildete die letzte Phase der nominellen Chou-Herrschaft. Sieben Staaten hatten sich durch Kämpfe herausgebildet, die einander bekämpften. 403 v. Chr. zerfiel Zentralchina schließlich in drei Teilreiche, von denen sich Ch'in unter Fürst Cheng 221 v. Chr. behauptete und in langen Kriegen die Reichseinheit durchsetzen konnte.

Fortschritt

Kultur und Technik erreichten trotz oder gerade wegen der inneren Wirren und zahllosen Kriege vor der Reichseinigung eine hohe Blüte. Im Zentrum des technischen Fortschritts standen der Ausbau der Bewässerungssysteme sowie des Kanalnetzes. Ab 486 v. Chr. wurde mit dem Han-kuo-Kanal der erste funktionstüchtige Wasserweg von Menschenhand geschaffen. Die Städte wurden durch eine geschlossene Außenmauer und im Innern durch rechtwinklige Mauern entlang der Stadtteile gesichert. Maßgeblich für die auf hohem Niveau arbeitende chinesische Verwaltung und Grundlage der kulturellen Entwicklung war die Weiterentwicklung der Schrift. Ihr Manko blieb aber eine zu große Anzahl von Zeichen, da diese Begriffe und nicht Laute wiedergaben. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde ein Verzeichnis aller Zeichen erstellt, das 3300 Einträge umfasst. Diese Anzahl verdreifachte sich in den folgenden Jahrhunderten sogar noch, so dass eine Schriftreform notwendig wurde, der eine Reduktion auf die im Wesentlichen heute noch gebräuchlichen 214 Zeichen gelang.

Philosophie

In der Philosophie entstand mit dem I-Ching, dem Buch der Wandlungen, das einzige metaphysische Buch der chinesischen Literatur, das die uralte Yin- und Yang-Philosophie zusammenfasste (Gleichgewicht zwischem positiv, hell und himmlisch und negativ, dunkel, irdisch). Laotse verfasste im 6. Jahrhundert (4./3. Jahrhundert? v. Chr.) das „Tao-Te-Ching“ (Buch vom Weg und der Tugend), das den Taoismus begründete. Konfuzius (571479 v. Chr.) verbreitete seine Lehre anhand fragender Gespräche mit seinen Schülern. Er entwickelte ethische Grundsätze, die er als Handlungsanweisungen verstand und dem Chaos der sich bekämpfenden Feudalfürsten und Staaten gegenüberstellte. Idealvorstellung war der disziplinierte Mensch in einer hierarchisch geordneten Familie. Gehorsam der Kinder gegenüber den Eltern, der Frau gegenüber dem Mann und ein alles übergreifender Pflichtgedanke bilden für Konfuzius die Grundlagen einer vernünftigen Gesellschaft. Von den Regierenden verlangte er die Kontrolle der Aufrichtigkeit, Gehorsam und guten Sitten. Seine Ideale prägten die gesamte Geschichte Chinas.

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