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Charles Lindbergh: In der Apfelsinenkiste über den Atlantik

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Nicht der erste Überflieger

Nach über 33 Stunden ohne Pause landet Lindbergh schließlich auf dem Pariser Flughafen Le Bourget. Er hat es geschafft. Die Menschen, die ihn in Frankreich empfangen, sind begeistert. Rund 250.000 Franzosen bevölkern die nächtlichen Straßen um ihn willkommen zu heißen. Das aber ist nichts gegen die Begrüßung bei Lindberghs Rückkehr nach New York: Dort warten vier Millionen Fans darauf, ihrem neuen Nationalhelden zuzujubeln.

Der einfache Postflieger wird quasi über Nacht zum Superstar. Dabei ist er nicht einmal der erste Mensch, der den Atlantik im Flugzeug überquert. Diese Ehre gebührt den Briten John Alcock und Arthur Brown, denen das bereits 1919 bei ihrem gemeinsamen Flug von Neufundland nach Irland gelungen ist. Als einzelner Pilot ist Charles Lindbergh aber dennoch ein Pionier.

Der unglückliche "Lucky Lindy"

Für seinen legendäreren Flug erhält er nicht nur die 25.000 Dollar Preisgeld, sondern wird mit Ehrungen förmlich überschüttet und steigt als "Lucky Lindy" zum Liebling der Presse und High Society auf. Doch sein Glück währt nicht allzu lange.  1932 entführen Unbekannte den zwei Jahre alten Sohn Lindberghs und seiner Frau Anne. Trotz Zahlung der 50.000 Dollar Lösegeld bekommt das Ehepaar sein Kind nur tot zurück. Lindbergh gibt der aufdringlichen Presse Mitschuld an der Tragödie.

Schattenseiten eines Nationalhelden

Im Laufe der nächsten Jahre gerät der einst strahlende Luftfahrtpionier immer stärker in Verruf - unter anderem durch judenfeindliche Äußerungen und seine fragwürdige Haltung zum Nationalsozialismus. Trotz späterer Versuche, seine verbalen Fehlgriffe wieder gerade zu biegen, bleibt er in den USA unbeliebt.

Als Lindbergh 1974 in seinem Haus auf Hawaii an Lymphdrüsenkrebs stirbt, hinterlässt er ein getrübtes Bild seiner selbst - und ein Geheimnis, das erst Jahre später aufgedeckt wird: Neben seiner ersten Frau Anne hatte der Pilot "geheime Familien" mit drei weiteren Frauen und insgesamt sieben Kindern. Ob und welche anderen Geheimnisse Lindbergh womöglich zu seinen Lebzeiten gehütet hat, bleibt wohl für immer reine Spekulation.

Spirit of Saint Louis im Lichthof des NASM
Die "Spirit of St Louis" ist heute im National Air and Space Museum in Washington zu bewundern.
CLU, 19.05.2017
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