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Bundestagswahl 2017: Wie Wahlplakate wirken

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Plakatwände mit Wahlwerbung
Bei der Platzierung der Wahlwerbung gilt meist das Gießkannenprinzip – Wildwuchs inbegriffen.
"Kopfplakate" nerven eher

Doch nur, weil ein Bild zu sehen ist, wird ein Wahlplakat noch nicht automatisch zum Kracher. Es kommt auch darauf an, welches Motiv zu sehen ist: "Auf den reinen Kopfplakaten ist ein Kandidat oder eine Kandidatin aus dem Wahlkreis abgebildet, meist versehen mit dem Namen, dem Parteilogo und einem Slogan", berichtet Brettschneider. "Unsere Untersuchungen zeigen aber, dass diese Plakate kaum wirken. Sie machen die Kandidaten zwar etwas bekannter, doch viele Menschen sind früher oder später von diesen Plakaten genervt."

Anders ist dies bei den Plakaten der Spitzenkandidaten. Auf deren Kopfplakaten wird in der Regel ein Thema oder eine besondere Eigenschaft betont – beispielsweise Verlässlichkeit, Führungsstärke oder Ähnliches. Durch die Verbindung eines Themas mit einem Spitzenkandidaten könnten diese Plakate größere Wirkung entfalten, so der Wahlkampf-Forscher.

So soll Angela Merkels Plakat mit dem Slogan "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben" das Erreichte hervorheben und an die gute Wirtschaftslage Deutschlands anknüpfen. Sie setzt auf Vertrautes und auf Verlässlichkeit. Das Plakat von Martin Schulz mit dem Slogan "Die Zukunft braucht Ideen. Und einen, der sie durchsetzt" zielt dagegen auf Wandel und auf vermeintliche Leadership-Qualitäten des SPD-Kandidaten ab.

Wird es in der Zukunft noch Wahlplakate geben?

In Zeiten des Internets und der sozialen Medien erscheinen Wahlplakate fast schon antiquiert. Denn gerade jüngere Menschen orientieren sich heute viel mehr an dem, was sie online lesen und sehen. Haben die guten alten Plakate daher bald ausgedient? "In Zukunft werden Wahlplakate etwas an Bedeutung verlieren", meint Brettschneider." Bei begrenzten finanziellen Mitteln für die Wahlwerbung müssen sich Parteien daher entscheiden, welchen Mix unterschiedlicher Wahlkampfinstrumente sie einsetzen wollen. Da wird es eine Verschiebung geben: Weg vom Plakat, hin zum Internet."

Völlig unwichtig werden Wahlplakate jedoch nach Einschätzung des Wahlexperten nie sein. Dafür wird der Anspruch an ihre Qualität wachsen. "Gerade bei der Qualität ist noch Luft nach oben", ist sich Brettschneider sicher.

NPO / Universität Hohenheim, 24.08.2017
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