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Boreout-Syndrom: Wenn Langeweile krankmacht

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Paradoxes Verhalten

Paradoxerweise entwickeln viele Boreout-Patienten Verhaltensstrategien, die ihren Zustand weiter verschärfen. Sie täuschen Geschäftigkeit vor, um ausgelastet zu wirken und anerkannt zu werden. Kurzum: Sie halten sich zusätzliche Arbeit aktiv vom Leib. Dennoch: "Boreout ist nicht gleich Faulheit", schreiben Werder und Rothlin auf ihrer Internetseite. Betroffene seien nicht faul, sondern würden vom Unternehmen faul gemacht – und sie leiden unter ihrer Situation.

Das zeigt sich auch daran, dass Boreout-Patienten krankhafte Symptome entwickeln. Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Schlaflosigkeit und sogar Depressionen können die Folgen eines für den Betroffenen unerträglichen Arbeitsalltags sein. Dass Selbstbewusstsein und Psyche leiden, manifestiert sich zudem in körperlichen Beschwerden. So kann der permanente "Unterstress" Magenbeschwerden, Kopfschmerzen, Tinnitus oder Schwindel verursachen und die allgemeine Infektionsanfälligkeit erhöhen.

Wege aus der Boreout-Spirale

Stecken Betroffene erst einmal in der Negativspirale Boreout, ist es schwierig, dort wieder herauszufinden. Für eine erfolgreiche Therapie ist zunächst wichtig, dass der Patient sein Problem als solches anerkennt. In unserer auf Leistung ausgerichteten Arbeitswelt, in der es sozial erwünscht es, "viel um die Ohren zu haben", kann jedoch allein das Eingeständnis von Langeweile schon eine Hürde sein.

Ist dieser erste Schritt gemacht, können unter anderem Psychotherapie und spezielles Coaching dabei helfen, die Situation für den Betroffenen zu verbessern. Auch ein klärendes Gespräch mit dem Arbeitgeber kann gegebenenfalls Wege aus der Unterforderung aufzeigen. Stellt sich heraus, dass die Ursache des Boreouts womöglich in der falschen Berufswahl liegt, sollten Arbeitnehmer zudem über einen Jobwechsel nachdenken.

DAL, 11.05.2016
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