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Bologna im Prozess: Wo hakt‘s bei der Hochschulreform?

Bildungsminister sprechen in Bukarest über Bologna-Prozess

 

Die Studenten wussten es längst: Im Bologna-Prozess ist einiges schief gelaufen. Schuld daran? In erster Linie die Politik. Als aber Bundesbildungsministerin Annette Schavan kürzlich Fehler im Bologna-Prozess einräumte, war das Erstaunen groß. Zu viel habe man über Strukturen, zu wenig über Inhalte und Ziele von Bildung diskutiert, so die Bildungschefin. Das Humboldtsche Ideal von Bildung durch Wissenschaft sei im Bologna-Prozess noch nicht verankert. Ob die achte Bologna-Konferenz Ende April, zu der der rumänische Bildungsminister nach Bukarest lädt, daran etwas ändern wird?

Vorurteile werden weniger

Zu wenig Auslandsaufenthalte, geringe Chancen, den Studienort zu wechseln. Im Bologna-Prozess läuft nicht alles reibungslos.

Der Bologna-Prozess, den die europäischen Bildungsminister 1999 in der italienischen Stadt gleichen Namens initiierten, hatte vor allem eins zum Ziel: einen europäischen Hochschulraum. In ihm sollten sich die Studenten frei zwischen den Hochschulen aller Bologna-Länder bewegen, internationale und praktische Erfahrungen sammeln können, um ihre Berufschancen auf dem globalen Arbeitsmarkt zu steigern. Dafür würden im Bologna-Prozess die diversen Studiensysteme und Abschlüsse in die einheitliche Form der Bachelor- und Masterstudiengänge umgewandelt, Durchlässigkeit und Transparenz gesteigert und der Zugang zur Hochschulbildung demokratisiert. Und nicht zuletzt würde sich die unter wachsendem Fachkräftemangel leidende Wirtschaft früher als zuvor über akademischen Nachwuchs freuen. Dead Line für den Bologna-Prozess: das Jahr 2010.

Zahlen versus Realität

 

Pünktlich zur Jubiläums-Konferenz erklärte das Bildungsministerium damals: „Der Europäische Hochschulraum ist Realität.“ Die Zahlen scheinen dies zu bestätigen. 2010 haben in Deutschland erstmals mehr Studenten die Hochschule mit einem B.A.-Abschluss als mit einem traditionellen Titel wie Magister, Diplom oder Staatsexamen verlassen. Und zum Wintersemester 2010/11 war das gestufte Studiensystem aus Bachelor und Master zu immerhin 85 Prozent an den Unis und Fachhochschulen implementiert. Fast möchte man glauben, der Bologna-Prozess stehe haarscharf vor dem Abschluss. Wie aber lässt sich dann erklären, dass Schavan gerade jetzt mit Selbstkritik nicht geizt und davor warnt, der Bachelor dürfe nicht zur „bildungsfreie Zone“ werden.

Weil in zwölf Jahren Bologna-Prozess eben längst nicht alles so gelaufen ist, wie sich seine Begründer das einst ausgemalt haben, erklären Kritiker. So streben zwei Drittel der B.A.-Absolventen laut Hochschul-Informationssystem (HIS) nach dem B.A. einen Master-Abschluss an. Anders als intendiert, hält das Gros der Jung-Akademiker den B.A. also nicht für berufsqualifizierend und sich selbst für zu schlecht auf den Arbeitsmarkt vorbereitet.

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Susanne Böllert
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