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Homosexualität – bitte keine Klischees

Vorurteile gegenüber Homosexuellen – auch heute noch

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Vorurteil Nr. 3: „Jemand ist entweder homosexuell oder er ist es nicht“

„Ein bisschen bi schadet nie“, auch diesen Spruch hat jeder schon einmal gehört, wenn auch möglicherweise nicht umgesetzt. Wenn es um die sexuelle Identität geht, stehen in unserer Gesellschaft die Zeichen auf Schwarzweiß-Malerei. Wird ein männlicher Promi nach etlichen heterosexuellen Liebesaffären in verdächtiger Nähe zu einem anderen Mann gesichtet, fragen die Boulevard-Magazine nicht, ob er bisexuell sein könnte, sondern wittern gleich eine bisher ungeoutete Homosexualität – so zuletzt zum Beispiel bei dem James-Bond-Darsteller Daniel Craig oder dem US-Schauspieler Zac Efron. Auch in Internetforen ist dieser Trend zu beobachten, wenn Jugendliche in der Anonymität des World Wide Web verzweifelt Antworten auf die Frage suchen, ob sie nun schwul oder lesbisch sind oder eben nicht.

Die Wahrheit ist: Angelina Jolie, die deutsche Nationaltorhüterin Nadine Angerer, der DSDS-Star Daniel Küblböck oder der 1992 verstorbene US-Schauspieler Anthony Perkins, der uns eins als Norman Bates in Hitchcocks Thriller Psycho das Fürchten lehrte – sie alle haben gemeinsam, dass sie dem Sex sowohl mit Männern als auch mit Frauen etwas abgewinnen können. Wissenschaftliche Studien sprechen dafür, dass sie damit ganz und gar nicht allein sind.
1948 sorgte der US-amerikanische Sexualforscher Alfred Charles Kinsey für Aufregung, als er mit seinem berühmten „Kinsey-Report“ eine wissenschaftliche Studie vorstellte, der zufolge 90 bis 95 Prozent der Bevölkerung „bis zu einem gewissen Grad“ bisexuell seien. Diese Zahl ist seitdem mehrfach in Frage gestellt worden, denn Kinsey wertete auch gelegentliche homoerotische Fantasien oder einmalige sexuelle Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht als Anzeichen für Bisexualität. Doch auch wenn Kinseys Zahlen möglicherweise zu hoch gegriffen sind, gehen die meisten Wissenschaftler heute davon aus, dass ziemlich viele Menschen prinzipiell bisexuell veranlagt sind, auch wenn nur ein Bruchteil diese Neigung auslebt. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das auch ganz anders sein könnte: In Gesellschaften, in denen Sex mit dem gleichen Geschlecht weniger tabu war – zum Beispiel in der griechischen Antike oder in einigen islamischen Gesellschaften des Mittelalters – war es ziemlich weit verbreitet, sich mit beiden Geschlechtern zu verlustieren. Der um 1200 verstorbene islamische Rechtsgelehrte Ibn Al-Gauzi soll gesagt haben: „Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet (wenn er schöne Knaben erblickt), ist ein Lügner, und wenn wir ihm glauben könnten, wäre er ein Tier, nicht ein menschliches Wesen.“

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von Alexandra Mankarios, wissen.de
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Homosexualität – zwischen Diskriminierung und Gleichberechtigung

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