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Galileo Galilei: Vorreiter der modernen Wissenschaft

Wie zog sich Galileo Galilei den Zorn der Kirche zu?

Er hatte behauptet, die Erde bewege sich um die Sonne, und nicht umgekehrt. Damit hatte er es gewagt, die kirchliche Lehre in Frage zu stellen und anzuzweifeln, dass die Erde der ruhende Pol im Kosmos sei, um den sich alles dreht. Doch Galileo Galilei arbeitete fast sein ganzes Leben lang daran, die Beweise zu erbringen, dass das gängige, von der Kirche abgesegnete ptolemäische Weltbild von der Geozentrie, der zufolge die Erde der Mittelpunkt des Universums ist, nicht das richtige sein könne.

Er war von dem heliozentrischen Weltbild nach Nikolaus Kopernikus überzeugt, dem zufolge sich die Erde um die Sonne dreht. Galileo Galilei beobachtete in diesem Zusammenhang die Gezeiten und baute ein Fernrohr nach niederländischem Vorbild, das er weiter verbesserte.

Übrigens: Der Doge, das Oberhaupt Venedigs, war so begeistert von den damit verbundenen neuen Möglichkeiten für Marine und Seefahrt, dass er die Entlohnung Galileis verdoppelte. Den finanziellen Problemen des Forschers war damit die Spitze genommen.

Wozu nutzte der Forscher das Fernrohr noch?

Als Astronom machte Galilei mit dem Fernrohr auch Himmelsbeobachtungen. Er entdeckte unter anderem, dass die Milchstraße aus vielen Sternen besteht, beschrieb die Sonnenflecken, die Oberflächenstruktur und vor allem die Krater des Mondes, die Venusphasen, und er fand die vier größten Jupitermonde wie etwa Europa oder Ganymed, die nach ihm »Galileische Monde« heißen.

Galileo Galilei erntete neben Missfallen auch enormen Ruhm. Sein Werk »Sidereus Nuntius« (Sternenbotschaft) über die neuesten astronomischen Erkenntnisse brachte ihm 1610 die Stellung des Hofmathematikers von Florenz ein. Dort konnte er sich ganz seiner wissenschaftlichen Arbeit widmen.

Wie revolutionierte der Physiker die Wissenschaft?

Galilei revolutionierte die wissenschaftliche Methodik, indem er das Experimentelle und die Frage nach Gesetzmäßigkeiten in den Vordergrund stellte. Damit setzte er ganz neue Maßstäbe in Wissenschaft und Forschung. Der italienische Mathematiker, Physiker und Astronom war ein Vorreiter, der für die geistige und wissenschaftliche Unabhängigkeit und gegen die verstaubten Ansichten und Lehren der Kirche gekämpft hat. Und als Philosoph wagte er es, den Klerikern anzuraten, die Auslegungen der Bibel zeitgemäßer zu gestalten.

Wie begann der Mathematiker seine Laufbahn?

Mit 17 Jahren fing der am 15. Februar 1564 in Pisa geborene Galileo auf väterlichen Wunsch ein Medizinstudium in Pisa an, wechselte jedoch bald zur Mathematik und zur Philosophie. Er entdeckte die Pendelgesetze, erfand die hydrostatische Waage und wurde bald Professor für Mathematik. Dann erregte er erstmals Aufsehen. Er wollte seinen Studenten beweisen, dass der bis dato nie angezweifelte aristotelische Grundsatz, dem zufolge unterschiedlich schwere Körper auch unterschiedlich schnell fallen, falsch war. Er demonstrierte dies, indem er zwei unterschiedlich schwere Gegenstände vom Schiefen Turm von Pisa fallen ließ.

War Galileo verheiratet?

Nein, aber mit Maria Gamba, der Mutter seiner zwei Töchter und seines Sohnes, lebte er ohne Trauschein zusammen. In seinen letzten Lebensjahren setzte ihm der Tod seiner Lieblingstochter schwer zu. Hinzu kamen seine Krankheiten, allem voran seine Erblindung, und die Anfeindungen und Auflagen durch die Kirche. Sein vorletztes Werk, »Dialogo«, in dem er die geozentrische der heliozentrischen Theorie gegenüberstellte, war zwar behördlich genehmigt, letztendlich aber dann doch als ketzerisch verbrannt worden. Am 8. Januar 1642 starb Galileo nahe Florenz.

Wie reagierte die Kirche?

Sie untersagte dem Freigeist Galilei bereits 1616, die Theorie von einer Erde, die sich bewegt, mündlich oder schriftlich zu verbreiten. 1633 verhörte ihn die Inquisition in Rom wochenlang. Die schlechten Haftbedingungen und die Androhungen von Folter ließen ihn einknicken. »Die Sonne ist nicht der Mittelpunkt des Universums«, schwor er ab. Dennoch wurde er zu lebenslangem Hausarrest verurteilt. Erst rund 350 Jahre später, 1992, wurde Galileo Galilei durch Papst Johannes Paul II. rehabilitiert.

Wussten Sie, dass …

der Vater Galileo Galileis, Vincenzo, nicht nur Tuchhändler, sondern auch Musiker und Musiktheoretiker war? Galileo selbst galt als guter Lautenspieler.

Galileo seine Schriften ab 1613 nicht mehr, wie für die Gelehrten üblich, in Latein abfasste, sondern auf Italienisch? Dadurch, dass er für die Darstellung seiner Erkenntnisse die Volkssprache wählte, wurde er auch für jeden, der lesen konnte, verständlich.

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