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Einführung

Arthur Schnitzler - Literarischer Seelenforscher

"Im Grund Ihres Wesens sind Sie ein psychologischer Tiefenforscher, so ehrlich unparteiisch und unerschrocken wie nur je einer war." Die Einschätzung seines Zeitgenossen Siegmund Freud in einen Brief an Arthur Schnitzler trifft aus heutiger Sicht -  150 Jahre nach seiner Geburt  - genau ins Schwarze. In den Zeiten seines literarischen Schaffens, am fin de siècle im königlich-kaiserlichen Österreich sahen seine zahlreichen Kritiker das anders. In einer Gesellschaft, in der die Monarchie, die Herkunft, Moral und militärische Ehrenkodizes mehr galten als der Einzelne, wurden die Texte des promovierten Mediziners nicht selten als Affront aufgefasst.

Schnitzler schaute genauer hin, blickte in die Seelen seiner Protagonisten und beschrieb auch deren körperliche Begierden. Nach der Veröffentlichung seiner Novelle "Leutnant Gustl", in der er mit der neuen Erzählform des "inneren Monologs" gekonnt den Ehrenkodex des österreichischen Militärs kritisierte, wird dem Literaten der Offiziersrang eines Oberarztes der Reserve aberkannt. Und nach der Uraufführung des Bühnenstücks "Der Reigen" wird dem jüdischen Schriftsteller der Prozess wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses gemacht.

So sehr die Moralisten ihm das Leben schwermachen, so verlässlich stützen ihn seine Künstlerfreunde und eine wachsende Gemeinde treuer Leser und Theatergänger. Zu ihnen gehörte auch seine spätere Frau Olga Gussmann, mit der Schnitzler einen Sohn und eine Tochter hatte. Dass seine geliebte Lili sich nach dem Scheitern einer frühen Ehe mit nur 18 Jahren das Leben nahm, hat Arthur Schnitzler nie verwunden. Er stirbt drei Jahre nach ihrem Tod an einer Hirnblutung.

Schnitzler gilt heute als einer der einflussreichsten deutschsprachigen Autoren des frühen 20. Jahrhunderts. Erfahren Sie noch mehr über Leben und Werk des Wiener Arztes.

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