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APO-Bewegung - Deutschlands rebellische Jahre

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Proteste während des Schahbesuchs in Berlin 1967
Der iranische Schah Mohammad Reza Pahlavi wird 1967 während seines Staatsbesuch in Berlin mit Spruchbändern wie "Mörder" und "Nieder mit dem Schah" empfangen.

Schahbesuch mit Folgen

Einen weiteren Ansatzpunkt für die fundamentale Kritik an der westlichen Demokratie bietet der Vietnamkrieg: Der Anspruch, Freiheit und demokratische Werte gegen den totalitären Kommunismus zu verteidigen, rechtfertigt in den Augen vieler Studenten keinen brutal geführten Krieg. Zehntausende gehen gegen den US-Imperialismus auf die Straßen - prangern aber auch die "Handlager" in Deutschland an. Zugleich protestieren sie gegen die Unterstützung, die die USA und die Bundesrepublik autoritären Regimen wie dem Iran gewähren.

Als der iranische Schah Mohammad Reza Pahlavi am 2. Juni 1967 zum Staatsbesuch nach Berlin kommt, wird er mit Spruchbändern wie "Mörder" und "Welcome Mr. Diktator" empfangen. Die Demonstranten wollen damit auf die Verletzung von Menschenrechten aufmerksam machen. Doch die zunächst friedlichen Demonstrationen eskalieren: Schahgegner treffen auf -befürworter und es kommt zu Zusammenstößen mit der Polizei, die von der Situation überfordert scheint und wahllos auf Demonstranten einprügelt.

Der Tod des Benno Ohnesorg

Dabei fällt ein Schuss, der alles verändert: Ein Polizist schießt dem 26-jährigen Studenten Benno Ohnesorg aus nächster Nähe in den Hinterkopf. Sein gewaltsamer Tod löst überall im Land wütende Proteste und Unruhen aus. Es kommt zu Brandanschlägen gegen den Springer-Verlag, dem antistudentische Hetze vorgeworfen wird und gegen Kaufhäuser als Symbole des verhassten kapitalistischen Systems.

Der Schütze Karl-Heinz Kurras muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten, wird jedoch in mehreren Instanzen freigesprochen. Bei vielen jungen Menschen führt dieses Urteil in Folge zu einer grundsätzlichen Ablehnung des Staates. Die Studentenrevolte erfährt daraufhin noch einmal einen ungeheuren Schub.

Rudi Dutschke
Rudi Dutschke, einer der Wortführer der Studentenbewegung der 1960er-Jahre, wurde bei einem Attentat auf ihn im April 1968 schwer verletzt.
Umstrittene Notstandsgesetze

Der Höhepunkt der studentischen Protestwelle ist schließlich im Jahr 1968 erreicht: In diesem Jahr wird mit Rudi Dutschke nicht nur einer der Wortführer der Studentenbewegung bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt und es kommt in Folge zu den schwersten Straßenschlachten in der Geschichte der Bundesrepublik. Wenig später erlässt die Große Koalition auch die sogenannten Notstandsgesetze. Diese sollen im Falle von Krisen und Katastrophen die Gesetzgebungskompetenz des Bundes ausweiten und die Grundrechte teilweise aushebeln.

Die APO hat von Anfang an gegen die Verabschiedung der lange geplanten Gesetze gekämpft. Sie sieht sich an das totalitäre Nazi-Regime und das damalige Ermächtigungsgesetz erinnert. In einem Sternmarsch nach Bonn demonstrieren am 11. Mai noch einmal Zehntausende Anhänger weitgehend friedlich gegen die Gesetze, bevor diese 19 Tage später mit großer Mehrheit im Bundestag verabschiedet werden. Es ist die letzte große Aktion der Bewegung, die unter dem Schlagwort "68er" in die Geschichtsbücher eingehen soll.

Auch wenn die APO danach langsam zersplittert und sich schließlich auflöst, hat sie bis heute ihre Spuren im kulturellen und politischen Leben Deutschlands hinterlassen. Ob die Friedensbewegung der 1980er Jahre, die Golfkriegsproteste oder heutige Demonstrationen: Vorbild und Anstoß für diese Art der Bürgerbewegungen waren auch die Demonstrationen der APO. Und auch die antiautoritäre Erziehung und viele kulturelle und soziale Trends der 1970er und 1980er Jahre gehen auf die Ideen der APO zurück.

DAL, 25-01.2018
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