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Angst, Panik, Phobie

Über die Entstehung und Therapie von Phobien

Ängste kennt jeder. Und jeder hat seine ganz speziellen, der eine kleinere, der andere größere. Das ist auch gut so, denn Angst ist eine natürliche Funktion, sie soll uns vor Gefahren schützen. Nun gibt es aber Menschen, die fürchten sich vor Situationen, die gar keine Gefahr bergen. Sie leiden an einer Phobie. Was umtreibt diese Menschen? Oder vielmehr: Was hat sie dazu getrieben? Und vor allem: Wie wird man eine Phobie wieder los?

„Ich werde nicht an einem Dienstag sterben"

Wenn die U-Bahn Angst macht

Für die meisten ist die U-Bahn ein alltägliches Verkehrsmittel. Klaustrophobie-Patienten allerdings stehen in den geschlossenen Waggons Todesangst aus.

Der Tag beginnt verhältnismäßig normal für Stefano Dalla (Name geändert). So normal, wie ein Tag eben beginnen kann, wenn die Welt um einen herum gerade zusammengebrochen ist – Freundin weg, Job weg, neue Wohnung, neues Umfeld. Ein Lebensabschnitt ist Geschichte geworden.

Als der damals 32-jährige an jenem Tag die S-Bahn betritt, denkt er sich nichts dabei, warum auch. Doch dann schließen sich die Türen, die Bahn fährt an. Was nun mit einem beklemmenden Gefühl beginnt, weitet sich rasch aus. Stefano beginnt hektisch zu atmen, verspürt kalten Schweiß auf der Stirn, gerät in Panik. „Ich war mir sicher: Wenn du hier nicht rauskommst, überlebst du das nicht“, sagt er. „Genau genommen fürchtete ich, meine Angst würde dermaßen ausufern, dass ich an einer Herzattacke sterbe. Diese Angst vor der Angst war tausendmal stärker als jede andere, die ich je zuvor gespürt hatte.“

In seiner Not redet sich der Drehbuchautor ein, er werde nicht an einem Dienstag sterben – ist jener Tag doch ein Dienstag. Ein wahnwitziges Hilfsmittel, aber immerhin gelingt es ihm so, sich bis zum nächsten Bahnhof zu retten, ohne durchzudrehen oder zusammenzubrechen.

Nach diesem Erlebnis meidet Dalla U- und S-Bahnen und steigt auf den Bus um. Doch auch hier tritt das Phänomen auf. Es folgen Schlangen vor Kassen, Supermärkte schlechthin, Bars, Tunnel … Selbst im Auto überkommt ihn Panik, wenn er hinten sitzt. Besonders kritisch wird es, als er in einem Flugzeug sitzt, dessen Start sich über mehrere Minuten verzögert – eine quälende Wartezeit, die Dalla schließlich zuviel wird. Er bittet die Flugbegleiterin, die Türen noch einmal zu öffnen, und verlässt fluchtartig die Flugkabine.

Daraufhin zieht sich Dalla in seine vier Wände zurück und meidet so gut wie jede Räumlichkeit außerhalb seines Zuhauses. „Ich habe nicht nur viele soziale Kontakte verloren, sondern mein komplettes soziales Leben. Ist doch blöd, wenn du zum Beispiel eine Party besuchen willst, aber draußen stehen bleiben musst.“

Seinen Tiefpunkt erreicht der Mann in einem dreitägigen Heulkrampf, begleitet von heftigen Bauchschmerzen. Inzwischen ist ihm klar: Er leidet an Klaustrophobie, an Raumangst. Im Anschluss unternimmt er Versuche, sich selbst zu heilen, scheitert aber. Dazu muss man nämlich wissen, woher die Ängste kommen, wie er später erfahren wird. Um sein Leben wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen, kauft sich Dalla ein Fahrrad, aber auch das löst das Problem nicht.

 

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von wissen.de-Autor Jens Ossa
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Angst und Angststörungen

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