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Alle Jahre wieder: Beitragsanpassungen bei der PKV und wie Versicherte reagieren können

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Steigende Kosten im Gesundheitssystem werden bei vielen Versicherungen als Grund für regelmäßige Beitragsanpassungen genannt.
Sie verhilft zum Einzelzimmer, der Chefarztbehandlung und andere Vorzügen im Gesundheitswesen: die private Krankenversicherung (PKV). Doch immer weniger Versicherte gehen zu den privaten Anbietern. Waren es noch 8,9 Millionen im Jahr 2010 sind es 2016 nur noch 8,79 Millionen gewesen (Quelle: Statista.de). Vielleicht mag das an den fast schon jährlich kommenden Beitragsanpassungen liegen, die auch zu diesem Jahreswechsel wieder drohen. Aber was bedeutet das und wie können Privatversicherte passend reagieren?

Der Grund für die Beitragsanpassungen

Steigende Kosten im Gesundheitssystem werden bei vielen Versicherungen als Grund für die Beitragsanpassungen genannt. Denn wären die Kosten immer gleich, würde auch der Beitrag stabil sein. Neue Operationsmethoden, neuere Medikamente und verteuerte Behandlungen sorgen jedoch für Bewegung in den Kosten des Gesundheitssystems. Auch steigende Ärztehonorare verursachen höhere Geldausgaben bei den Krankenkassen.

Aber auch der demografische Wandel spielt eine große Rolle. Die Versicherten werden immer älter – die älteste Frau der Welt ist gerade 117 Jahre alt geworden. Diese Menschen werden häufiger krank, was die Kosten erneut steigen lässt. Dem gegenüber stehen immer weniger junge Personen im Krankenkassentarif, die für die alten Menschen mitzahlen.

Während die gesetzlichen Krankenkassen diese Kosten mit Steuermitteln, Rabatte für Arzneien, Deckelungen der Ärztehonorare und Reglementierung der Verwaltungskosten etwas kompensieren können, haben die privaten Versicherer weniger Regulierungsmechanismen: Der Versicherte selbst spart Altersrückstellungen an und die Beiträge werden am Kapitalmarkt verzinst. Aber auch die Rabatte für Arzneimittel und die Regelung der Verwaltungskosten können helfen – doch nicht immer ausreichend.

Wie der Verband der Privaten Krankenversicherung eindeutig erklärt, sind Krankenkassen gesetzlich verpflichtet tatsächliche und kalkulierte Ausgaben pro Jahr zu vergleichen. Liegt eine Abweichung von mehr als zehn Prozent vor, müssen Versicherer mit einer Beitragsanpassung reagieren.

Diese können in beide Richtungen ausfallen. Beitragssenkungen sind möglich, hat der Versicherer einen Überschuss erwirtschaftet. Doch in den meisten Fällen werden die Versicherten mit Beitragserhöhungen konfrontiert. Oft treten beide Varianten zum selben Zeitpunkt auf – nur in unterschiedlichen Tarifen.

Diese Beitragsanpassungen kommen 2017

Auch aktuell sind bereits wieder zahlreiche Beitragsanpassungen bei vielen Versicherungsgesellschaften angekündigt. Nicht immer sind alle Tarife betroffen, nicht jeder Versicherte bekommt Post. Bei der Debeka Krankenversicherung wird die Erhöhung laut eigenen Angaben 3,1 Prozent betragen, die Allianz gibt eine durchschnittliche Verteuerung um drei Prozent an. Eine Übersicht der geplanten Erhöhungen laut einer Umfrage des Versicherungsjournals findet sich hier.

Doch der Durchschnitt ist nicht immer der Einzelfall. So klagen Betroffene über weitaus höhere Anpassungen, wie ein Vergleichsportal vermeldet. So seien 24 Prozent bei der Debeka, 15 Prozent bei der Allianz oder sogar bis zu 50 Prozent Erhöhung bei der AXA möglich. Aber auch von Beitragssenkungen berichtet das Portal.

Lohnt sich der Wechsel?

Flattert eine Beitragserhöhung ins Haus, können Versicherte außerordentlich kündigen. Dann braucht es jedoch eine Alternative. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Als Erstes sollte der Wechsel in einen anderen, meist günstigeren Tarif innerhalb der Gesellschaft geprüft werden. Viele Versicherungsgesellschaften bieten dies oft automatisch an, wenn die Beiträge in einem Tarif besonders gestiegen sind. Oft fällt dann auch keine erneute Gesundheitsprüfung an und die Altersrückstellungen bleiben erhalten. Sind jedoch zusätzliche Leistungen im neuen Tarif enthalten, kann die Versicherung dennoch auf eine Gesundheitsprüfung bestehen.

Aber auch ein Wechsel zwischen den zahlreichen Versicherern kann möglich sein. pkv-tarifvergleich.info bietet mit einem PKV-Vergleich von über 3500 Tarifen einen ersten helfenden Überblick. Hier kommen Faktoren wie Alter und Gesundheit ins Spiel. Oft wird eine Überprüfung der Gesundheit vorausgesetzt – Risikozuschläge für Vorerkrankungen können beispielsweise nötig werden. Ebenso ist der Erhalt der Altersrückstellung nicht immer einfach zu klären. Daher lohnt sich ein Privater Krankversicherungsvergleich vor dem Wechsel.

Optionen mit Vorbehalt

Wird eine Beitragserhöhung der PKV angekündet, raten so manche Makler auch zu anderen Optionen, die jedoch nicht immer Vorteile bringen. Hier sollte der Versicherte genau prüfen, ob er nicht deutliche Nachteile bei der Versorgung erleiden wird.

Eine dieser oft empfohlenen Möglichkeit ist die Erhöhung des Selbstbehaltes. Oft sinken dadurch die Beiträge so stark, dass der Versicherte letztendlich sogar weniger zahlt. Gerade Selbstständige sollten diese Option prüfen, da sie keinen Beitrag mit dem Arbeitgeber teilen. Der Angestellte tut dies, jedoch aber nicht den Selbstbehalt. Diese Variante sollte nur gewählt werden, wenn der Selbstbehalt im Notfall auch gezahlt werden kann. Eine spätere Reduzierung ist oft nicht mehr möglich.

Eine weitere Möglichkeit ist die Reduzierung von Leistungen. Wer beispielsweise auf das Einzelzimmer verzichtet, kann bis zu 30 Euro im Monat sparen. Auch das Entfernen von Sonderbehandlungen im Tarif kann den Beitrag senken. Doch auch diese Möglichkeiten sollten genau geprüft werden – will der Versicherte die Leistungen später dennoch, muss er die Kosten selbst tragen.

Letzter Ausweg: GKV

Seit dem Jahr 2009 ist es nicht mehr möglich, die private Krankenversicherung zu kündigen, ohne einen anschließenden Krankenversicherungsschutz zu haben. Wer den nicht mehr bei der PKV sieht, kann zur gesetzlichen Krankenkasse zurückkehren. Doch dieser Weg ist stark reglementiert. Das Einkommen muss unter der Grenze von 4575 Euro pro Monat liegen. Über 55-Jährige können diesen Wechsel gar nicht mehr vollziehen und auch bei der gesetzlichen Krankenkasse kann es zu Beitragserhöhungen kommen. Versicherte sollten genau überlegen, ob das Zahlen des erhöhten Beitrages dann nicht bei der PKV das kleinere Übel ist.

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