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Aktuar/in

Ganz ohne Kristallkugeln und Beschwörungsformeln kommen Aktuare in Versicherungsunternehmen aus, obwohl sie weit in die Zukunft blicken müssen. Im Gegenteil, sie bedienen sich der Königin der Wissenschaften - der Mathematik.

Arbeitgeber finden sich in Versicherungsunternehmen

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Gerade bei Lebens- und Unfallversicherungsverträgen, die für sehr viele Jahre abgeschlossen werden und im Ernstfall vor dem finanziellen Ruin retten sollen, haben finanzielle Spekulationen und Unsicherheiten nichts zu suchen. Weder für die Kunden noch für die Unternehmen. Und genau daran arbeiten Aktuare: Sie entwerfen Szenarien und Modelle, die die Möglichkeiten künftiger Entwicklungen und Risiken auf wissenschaftliche Weise erfassen und für alle Seiten annehmbar gestalten, und setzen diese dann in Kalkulationen um.

Aktuare - oder Versicherungsmathematiker, wie sie auch genannt werden - haben seit vielen Jahren ihren festen Platz in deutschen Versicherungsunternehmen. Bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde der erste Aktuarsverein gegründet. Dennoch gehört der Aktuar zu den Berufen, die erst seit etwa fünf, sechs Jahren wieder an Bedeutung gewinnen. Grund sind die Lockerungen auf dem europäischen Versicherungsmarkt, die es Unternehmen seit Mitte der neunziger Jahre erlauben, ihre Tarife wieder selbständig und weitgehend unabhängig von behördlicher Aufsicht zu gestalten. Dadurch entwickelt sich der Wettbewerb, steigt aber auch das Risiko für das einzelne Unternehmen. Per Gesetz muss seitdem jeder Versicherer, der Personenversicherungen (Unfall-, Lebens- und Krankenversicherungen) anbietet, einen so genannten verantwortlichen Aktuar bestellen, der genau diese künftigen Risiken erkennt, analysiert und darauf aufbauend die Prämienkalkulationen sowie die Rückstellungen berechnet. „Damit soll erreicht werden“, so Dr. Alf Neumann, Aktuar bei der Allianz Lebensversicherungs-AG in Stuttgart, „ dass Versicherungen konkurrenzfähige Produkte anbieten, die die Interessen von Kunden und Unternehmen berücksichtigen, aber auch den langfristigen Risiken der Kapitalanlage und der abgedeckten Lebensrisiken Rechnung tragen. Dazu muss jede Versicherung Rückstellungen in einer Höhe bilden, die auch unter ungünstigen Entwicklungen jederzeit die Erfüllbarkeit der eingegangenen Verpflichtungen sicherstellen.“ Ein kompliziertes Unterfangen, „wenn man bedenkt, dass die Auszahlung unserer Lebensversicherungen 30 und mehr Jahre in der Zukunft liegt.“ So lange laufen heute durchschnittlich Lebensversicherungsverträge, die nicht nur der Versorgung von Hinterbliebenen und Absicherung im Fall der Berufsunfähigkeit, sondern vor allem der eigenen Altersvorsorge dienen.

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BW Bildung und Wissen Verlag, Nürnberg 2002
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