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Achtung Klischee: Süße Prinzessinnen und starke Helden

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Negative Stereotype schaden am meisten

Auch wenn es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, die das Verhalten und die Vorlieben prägen können, liebt nicht jedes Mädchen Rosa oder Puppen und nicht jeder Junge ist ein kleiner Rowdi. Und genau hier liegt das Problem: Die ständig in den Medien und in den Läden verbreiteten Stereotype beeinflussen das Selbstbild der Kinder und engen sie in ihrer Entfaltung ein. Denn ein Großteil unseres Verhaltens und der Persönlichkeit ist anerzogen, nicht angeboren. Wenn ein Mädchen schon vom Kindergarten an lernt, dass Mädchen sozial zu sein haben, dann wird es sich entsprechend anpassen. Hört ein Junge von frühester Kindheit an den Spruch "Ein Indianer kennt keinen Schmerz", lernt er vielleicht nie richtig, seinem Kummer Ausdruck zu verleihen.

Mädchen in Fliegerklamotten spielt mit Modellflugzeug
Nicht jedes Mädchen liebt Rosa oder Puppen.

Gerade die negativen Rollenklischees – was man als Junge oder Mädchen nicht tut – sind dabei jedoch besonders fatal. Denn Studien zeigen schon lange, dass negative Leistungserwartungen, die jemandem entgegengebracht werden, zu tatsächlich schlechteren Leistungen führen können. So schnitten in einem Experiment Frauen in einem Mathetest deutlich schlechter ab, wenn sie zuvor einen Artikel über schlechterer Mathefähigkeiten bei Frauen gelesen hatten. Was wir über uns selbst glauben, beeinflusst uns stärker als man landläufig glaubt.

Was kann man tun?

Was aber bedeutet das für den Alltag in der Familie? Darf ein Mädchen nicht mehr in Rosa herumlaufen? Oder ein Junge mit Superhelden spielen? Natürlich dürfen sie. Denn Kinder haben nun mal verschiedenen Vorlieben und sollen auch nicht gezwungen werden, zu geschlechtsneutralen Wesen zu werden. Es schadet daher auch nicht, wenn sich die kleine Tochter erstmal an ihre Freundinnen im Kindergarten anpasst – das ist normal.

Wichtig ist es aber, den Kindern klarzumachen, dass diese Stereotype nicht die einzigen Optionen sind. Bieten Sie ihnen  Alternativen, ermutigen Sie ihre Sprösslinge, auch mal etwas auszuprobieren, das jenseits des typischen männlich – typisch weiblich – Klischees liegt. Loben Sie doch auch mal das Mädchen dafür, dass es stark oder schnell ist und den Jungen für sein Mitgefühl. Auf diese Weise kann man der grassierenden Rosa-Blau-Welle zumindest entgegensteuern. Und den Kindern zeigen, dass die Rollen lange nicht so eng und festzementiert sind, wie es in manchem Kaufhaus scheint.

NPO, 29.10.2015
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