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Achtung Blow-Ups! Gefährliche Hitzeschäden auf den Straßen

Die Sommerhitze macht momentan nicht nur uns Menschen zu schaffen – auch die Straßen und sogar die Rollbahnen von Flughäfen leiden. Denn durch die Hitze schlagen Beton und Asphalt Wellen und bildet tückische Bruchstellen - für Autofahrer und Flugzeuge eine gefährliche Falle. Warum diese Schäden entstehen und wo Gefahren lauern, erklären Experten vom TÜV Rheinland.

Autobahn unter Hitzeglocke
Die Sommerhitze macht momentan auch den Straßen schwer zu schaffen.
Der prominenteste Fall ereignete sich vor einigen Tagen am Flughafen von Hannover: Einen halben Tag lang musste dort der gesamte Flugverkehr unterbrochen werden – Urlauber und Geschäftsreisende mussten stundenlang im Terminal warten. Der Grund: Durch die Hitze hatten sich die Betonplatten der Rollbahn aufgewölbt und waren teilweise gebrochen. Weil diese Platten schon in den 1960er Jahren verlegt worden waren, konnten sie und vor allem ihre Fugen die Ausdehnung des Betons durch die Hitze nicht mehr ausgleichen.

Die Folge ist ein sogenannter Blow-Up. "Im Laufe der Zeit härtet die Fugenfüllung zwischen den Betonplatten aus", erklärt Nico Hartlep, TÜV Rheinland-Experte für Straßenbau. "Da kann sich die Platte in der Sommerhitze nicht mehr wie geplant ausdehnen. Im Extremfall wölbt sich die Platte, platzt auf oder springt sogar aus der verdübelten Verankerung." Am Flughafen Hannover sind die Schäden inzwischen wieder beseitigt. Um weitere Blow-Ups zu vermeiden, wird nun die Rollbahn regelmäßig von der Flughafenfeuerwehr mit Wasser besprüht.

Fahrbahnschäden
Bei Straßen aus Betonplatten kann es bei der aktuelen Hitze auch zu sogenannten Blow-Up kommen.
Vorsicht vor Fahrbahnschäden auf der Autobahn

Aber auch auf Autobahnen und anderen Straßen gibt es im Moment immer wieder Hitzeschäden. Denn auch der Asphalt verformt sich bei der Gluthitze und kann sogar schmelzen. Als Folge bilden sich Beulen und Schlaglöcher, die für Motorrad- und Autofahrer gefährlich werden können. "Aufwölbungen oder Schlaglöcher können urplötzlich entstehen, was sie bei höheren Geschwindigkeiten zu einem unfallträchtigen Hindernis macht, erklärt Steffen Mißbach vom TÜV Rheinland.

In weichem Asphalt können sich durch den Schwerlastverkehr zudem schnell Spurrillen bilden, die manchmal schwer zu sehen sind. "Nach Sommergewittern mit kräftigen Regengüssen besteht durch die Vertiefungen erhöhte Aquaplaning-Gefahr", erklärt Mißbach. Ein weiterer Gefahrenpunkt ist, dass bei hohen Temperaturen die Asphalt-Fahrbahn schneller verschleißt und dadurch die Griffigkeit der Fahrbahn schwindet. "Dies führt zu verlängerten Bremswegen, einer verringerten Seitenhaftung in Kurven und erhöht somit Schleudergefahr", erläutert Mißbach.

Bei Straßen aus Betonplatten, wie beispielsweise älteren Autobahnabschnitten, kann es auch zum Blow-Up kommen, ähnlich wie auf der Flughafen-Startbahn von Hannover. Nach Angaben des ADAC liegt der Anteil der Betonfahrbahnen bundesweit immerhin noch bei rund 30 Prozent.

Ablauf eines Blow Ups
Ablauf eines Hitzeschadens an Betonfahrbahnen.

Runter vom Gas!

Damit solche Hitzeschäden nicht zur Gefahr werden, wurde schon jetzt bei einigen Autobahn-Abschnitten eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt. So gilt auf Teilen der A7 und A8 in Baden-Württemberg Tempo 80, um mögliche Unfälle durch Fahrbahnschäden zu vermeiden. "Bei niedrigerer Geschwindigkeit lassen sich Schlaglöcher oder Blow-Ups deutlich besser erkennen", sagt Mißbach. Die Experten empfehlen aber auch ohne explizite Geschwindigkeitsbegrenzung, auf älteren Straßenabschnitten vorsichtig und langsamer als sonst zu fahren. Das gilt gerade für Motorradfahrer, deren Maschinen bei Straßenschäden besonders leicht außer Kontrolle geraten können, wie der ADAC warnt.

Hitzeschäden im Asphalt oder Beton lassen bei sehr hohen Temperaturen nicht gänzlich vermeiden. "Durch gründlichen und rechtzeitigen Unterhalt der Straßen können jedoch die Hitzeschäden verringert werden. Bei Fahrbahnen aus Betonplatten kommt es maßgeblich die Fugenpflege an, die leider oft vernachlässigt wird", sagt Hartlep.

TÜV Rheinland / ADAC, 01.08.2018
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