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Abgase: Der Skandal, der Dieselgipfel und die Hintergründe

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Autoabgase im Winter
Viele Dieselautos schalten ihre Abgasreinigung bei niedrigen Temperaturen ganz einfach ab.
Dicke Luft in deutschen Städten

Doch die Luft in deutschen Großstädten überschreitet bei beiden Luftschadstoffen immer wieder die Grenzwerte – und es ist kaum Besserung in Sicht. Im Jahr 2016 wurde an gut 57 Prozent der Messstationen der Stickoxid-Grenzwert für das Jahresmittel deutlich überschritten, wie Auswertungen des Umweltbundesamts (UBA) ergaben. Vor allem in Stuttgart, aber auch in Berlin, Hamburg, Darmstadt, Frankfurt, Köln, Mainz und Kiel herrscht demnach viel zu oft dicke Luft.

Die Stickoxidwerte haben sich zudem in den letzten Jahren kein bisschen geändert – trotz angeblich immer sauberer, immer modernerer Autos und Umweltzonen in vielen Städten. Beim Feinstaub sieht es ähnlich aus: Zwar lagen die Werte für 2016 etwas niedriger als in den Vorjahren. In vielen Ballungsräumen war aber die Belastung trotzdem noch viel zu hoch. Hinzu kommt: Die Besserung schreiben Forscher nicht technischen Fortschritten bei den Autos zu, sondern einem im letzten Jahr günstigen, weil wechselhaften Sommerwetter.

Wie der Skandal begann

Dass die nicht besser werdende Stadtluft kein Zufall ist, sondern eine Folge von absichtlichen Verstößen der Automobilhersteller gegen die Umweltvorgaben sein könnte, kristallisierte sich spätestens seit 2015 heraus. Damals kam heraus, dass der Autohersteller Volkswagen systematisch die Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge manipuliert hat: Die Motorsoftware erkennt, ob das Auto gerade im Prüfstand getestet wird und regelt dann die Abgasreinigung hoch. Kaum ist das Fahrzeug aber wieder auf der Straße unterwegs, wird ein Mehrfaches der im Test gemessenen Feinstaub-und Stickoxidwerte freigesetzt.

Während dies in Deutschland zunächst kaum Folgen hatte, zogen die US-Behörden Konsequenzen: Sie verklagten VW auf Schadenersatz – immerhin knapp 15 Milliarden Euro Entschädigung waren fällig. Im Oktober 2016 wurde dann bekannt, dass auch Audi und andere Hersteller Lenkradbewegungen nutzen, um zu erkennen, ob ein Auto im Abgastest ist oder auf der Straße fährt.

Keine Abgasreinigung bei Kälte

Im November 2016 kam die nächste Enthüllung: Messungen im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) enthüllten, dass viele Dieselautos ihre Abgasreinigung bei niedrigen Temperaturen einfach ganz abschalten. Bei manchen Modellen erfolgt dies bei unter zehn Grad, bei andern sogar schon unterhalb von 17 Grad - angeblich zum Schutz des Motors.

Die Folge: Im Winter und an kühleren Frühlings- und Herbsttagen steigen die Stickoxidwerte um das bis zu 13-Fache an. Die Innenstädte werden dann durch den Autoverkehr mit Schadstoffen förmlich geflutet. Selbst die Umweltzone schützt dagegen nicht, weil die Dieselfahrzeuge laut Abgasmessung im Teststand die Auflagen ja erfüllen. Nur unter Realbedingungen halten selbst Autos der neuesten Euro-6-Norm nicht einmal die Grenzwerte für die älteren Euro 1-Dieselfahrzeuge ein.

Das Kartell

Ende Juli 2017 dann folgte der große Knall:  Das Magazin Der Spiegel enthüllte, dass fünf große deutschen Autohersteller – BMW, Mercedes, VW, Audi und Porsche – und wahrscheinlich auch Bosch als Zulieferer von Bauteilen – systematisch Absprachen getroffen haben. Sie einigten sich unter anderem darauf, den Tank mit dem für die Abgasreinigung nötigen Harnstoff, dem sogenannten AdBlue, aus Platz- und Geldgründen kleiner zu halten als eigentlich nötig.

Als Folge reicht der Harnstoff in den Dieselautos von vornherein nicht, um die Abgase ständig von Stickoxiden zu reinigen. Um dies zu kaschieren, ersannen die Hersteller die 2015 entlarvte Abschaltautomatik – und sprachen sich wahrscheinlich auch dabei untereinander ab. Mittlerweile laufen Ermittlungen gegen mehrere Manager der Konzerne wegen Betrugs und Verstoßes gegen Kartell- und Aktienrechte.

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