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9/11: 15 Jahre nach dem Angriff auf das World Trade Center

Brennende Türme, schwarzer Rauch und schließlich nur noch eine klaffende Lücke in der Skyline Manhattans: Der Einsturz der World Trade Center-Türme am 11. September 2001 erschütterte die Welt. Auch fünfzehn Jahre danach sind die Bilder des Anschlags nicht vergessen, die Narben nicht verheilt – und manch eine Nachwehe der Katastrophe macht sich erst heute so richtig bemerkbar.

Die brennenden Zwillingstürme des New Yorker World Trade Centers
Die brennenden Zwillingstürme des New Yorker World Trade Centers am 11.9.01.
Der 11. September 2001 markiert nicht nur für viele US-Amerikaner eine Zäsur. Vier Flugzeuge steuern an jenem Tag auf wichtige zivile und militärische Gebäude in den Vereinigten Staaten zu. Zwei von ihnen rasen am Vormittag kurz nacheinander in die Zwillingstürme des World Trade Centers, eines der höchsten Bürokomplexe in New York. Bilder von den einstürzenden Gebäuden gehen um die Welt: Bilder von vermeintlich stabilen Konstruktionen, die schnell wie Kartenhäuser bei einem Windstoß kollabieren, Bilder von fallenden Menschen – Bilder nach denen nichts mehr so ist, wie es einmal war.

Die von islamistisch-motivierten Terroristen aus Al Qaida-Kreisen organisierte Aktion nimmt fast 3.000 Menschen auf grausame Art das Leben. Sie versetzt eine Nation in Schock und stürzt die USA in einen Krieg gegen den Terror: Unter Präsident George W. Bush intervenieren die Vereinigten Staaten militärisch in Afghanistan, wenig später marschieren sie im Irak ein. Neben der verzweifelten Frage nach dem "Warum?" rückt in der Zeit nach dem Anschlag zunehmend eine weitere in den Vordergrund: "Wie sicher sind wir und wie können wir uns schützen?".

Tribute in Light in New York
Tribute in Light - eine Lichtinstallation am Ort des Anschlags, die an die zerstörten Zwillingstürme gemahnt.
Trauer und Neuanfang

Inzwischen ist der "Angriff auf Amerika" fünfzehn Jahre her. Doch die Katastrophe ist nach wie vor präsent, ihre Folgen sind auf vielen Ebenen spürbar: emotional, körperlich und politisch. So ist dort, wo einst die Zwillingstürme in den Himmel ragten, ein neuer Riese entstanden. Das One World Center ist heute das höchste Gebäude von New York und ein unübersehbares Zeichen für den Neuanfang.

Doch auch Trauer und Gedenken haben am Ground Zero ihren Platz. Nach jahrelanger Bauzeit eröffnete Präsident Barack Obama im Mai 2014 das Mahnmal, das die Lücke, die der Tod tausender Menschen gerissen hat, auch baulich dokumentiert. Zwei große leere Stellen mit versenkt eingelassenen Wasserbecken erinnern an die einstigen Türme und die Opfer ihres Einsturzes, deren Namen in die Kupferumrandung gefräst sind.

New York Skyline mit One World Trade Center
Seit 2014 überragt das One World Trade Center, der Nachfolgebau der Zwillingstürme, den Südzipfel Manhattans.
Abschied nach fünfzehn Jahren

Jeder einzelne von ihnen hat im Leben seiner Angehörigen eine wohl nie mehr zu füllende Leere hinterlassen. Doch während manche Ehepartner, Eltern, Kinder und Freunde den schmerzlichen Verlust mit der Zeit zumindest ein wenig verarbeiten konnten und durch die Trauerarbeit vielleicht auf irgendeine Art und Weise damit abschließen konnten, war anderen diese Möglichkeit bislang verwehrt.

Das zeigt die Geschichte der Familie von Lawrence Stack: Knapp fünfzehn Jahre wartete sie darauf, dass doch noch sterbliche Überreste des Feuerwehrmanns identifiziert werden können. "Wochen wurden zu Monaten", sagte sein Sohn Michael Stack in einem Interview der Zeitung "New York Times". "Monate wurden zu Jahren." Er selbst sei am Tag der Anschläge zu den Trümmern des World Trade Centers geeilt und dann Tag für Tag zu den Ruinen zurückgekehrt. "Graben und schauen, suchen, hoffen."

Doch die Fahndung nach der Leiche des Vaters war bis heute vergeblich. Vor wenigen Monaten wurde Lawrence Stack trotzdem im Rahmen einer Trauerfeier beigesetzt. Statt seines Leichnams wurde eine zu Lebzeiten abgegebene Blutspende für die Beisetzung verwendet. Fünfzehn Jahre nach 9/11 konnte die Familie Lawrence nun Abschied nehmen – und hat endlich einen Ort zum Trauern.

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DAL, 11.9.2016
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