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75 Jahre LSD: Hippie-Droge und Medizin

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LSD-Konsument
Als Partydroge wird LSD normalerweise zunächst auf saugfähiges Papier – den sogenannten Blotter – aufgebracht, dessen einzelne Abschnitte dann gelutscht oder geschluckt werden.
Gefährliche Trips

Damit ähnelt das Gehirn unter dem Einfluss der Droge dem Gehirn eines Kindes, wie die Forscherin berichtet. "Erst im Laufe des Erwachsenwerdens unterteilt sich unser Gehirn mehr und mehr in einzelne Funktionsbereiche. Dadurch werden wir fokussierter, aber auch unbeweglicher in unserem Denken." Durch diesen Effekt lässt sich erklären, warum LSD oftmals zu einer Art Entgrenzungserfahrung führt und Konsumenten ihr Ich auf einmal ganz anders wahrnehmen als sonst.

Dieses neue Erleben hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Es geht mit einer signifikanten Trennung von der Realität einher. Und das kann fatale Folgen haben. Die Fähigkeit, ein vernünftiges Urteil zu fällen und gewöhnliche Gefahren zu erkennen, ist während eines "Trips" erheblich beeinträchtigt. Ein LSD-Konsument könnte aus einem Fenster im dritten Stock steigen, um sich den Boden aus der Nähe anzuschauen. Er könnte erquickt den Sonnenuntergang bewundern, ohne sich dessen bewusst zu sein, mitten auf einer stark befahrenen Straßenkreuzung zu stehen.

Verbot und Renaissance in der Forschung

Falsche Dosierungen können zudem sogenannte Horrortrips verursachen: schlimme, angsteinflößende Halluzinationen, die Menschen unter Umständen sogar in den Selbstmord treiben können. Darüber hinaus kann der LSD-Konsum langanhaltende Psychosen verstärken oder hervorrufen. All diese Risiken führten dazu, dass die Droge weltweit verboten wurde. In den USA ist der Konsum von LSD seit 1966 illegal, in Deutschland seit 1971.

Die Erforschung der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten des Wirkstoffs ist aber erlaubt. In den vergangenen Jahren hat die Wissenschaft das Halluzinogen wieder mehr und mehr für sich entdeckt. Studien zeigen, dass sich ein Blick auf die heilsame Kraft des LSD durchaus lohnt. So scheint das Mittel beispielsweise Patienten mit krankhaften Angststörungen und Alkoholikern beim Entzug helfen zu können. Es scheint nicht unwahrscheinlich, dass die einstige Hippie-Droge eines Tages wieder zur Verwendung als Arznei freigegeben wird.

DAL, 16.04.2018
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