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20 Jahre Wikipedia - die freie Enzyklopädie

Wenn wir eine Frage haben, finden wir im Internet meistens eine Antwort. Ganz vorne unter den digitalen Lexika ist Wikipedia: Ob für das Referat in der Schule, das Nachschlagen eines unbekannten Fachbegriffs oder Informationen über den nächsten Urlaubsort - Wikipedia liefert den passenden Infotext und zugehörige Fotos. Das größte Nachschlagwerk der Welt feiert nun sein 20-jähriges Jubiläum. Aber wie entstand Wikipedia eigentlich und wo kommen die Beiträge her?

Wikipedia ist eine sogenannte Enzyklopädie, also ein besonders umfangreiches Nachschlagewerk mit ausführlichen Sachtexten. Von Naturwissenschaften über Technik bis hin zu Wirtschaft und Kultur – das digitale Nachschlagewerk informiert zu einer großen Bandbreite an Themen. Der Name Wikipedia setzt sich aus „Wiki“, dem hawaiischen Wort für „schnell“ und aus „pedia“ für das englische Wort „encyclopedia”, also Lexikon, zusammen.

Wer steckt hinter Wikipedia?

Erfinder der Wikipedia ist Jimmy Wales aus den USA. Er wollte das Wissen der gesamten Welt so bereitstellen, dass es jeder leicht finden kann. Das Ziel war ihm zufolge „eine frei lizenzierte und hochwertige Enzyklopädie zu schaffen und damit lexikalisches Wissen zu verbreiten.“

Während andere Erfinder zuvor an der Umsetzung eines solchen Lexikons gescheitert waren, startete Wales im März 2000 gemeinsam mit Larry Sanger ein erstes Projekt einer englischsprachigen Internet-Enzyklopädie – die sogenannte „Nupedia“. Um einen Artikel für Nupedia zu schreiben, mussten die Autoren sich bewerben und ihre Texte anschließend prüfen lassen.

Ende desselben Jahres wurden Wales und Sanger auf das Wiki-System aufmerksam: Damit können Benutzer Webseiten nicht nur lesen, sondern auch direkt über den Browser verändern. Das System setzten sie schließlich auch für ihr Online-Lexikon um: Am 15. Januar 2001, vor genau 20 Jahren, konnten die Leser das Wiki der Nupedia unter der eigenständigen Adresse wikipedia.com aufrufen. Der Tag gilt seither als Geburtsstunde der Wikipedia.

Die Idee des digitalen Wiki-Lexikons entwickelte sich - zur Überraschung der Erfinder – so schnell, dass die Nupedia in den Hintergrund rückte und im September 2003 ganz von der Wikipedia verdrängt wurde.

Wie sieht es heute aus?

Seit Juni 2003 gehört die Website Wikipedia der internationalen Stiftung „Wikimedia Foundation“, in der Wales Vorstandsmitglied ist. Das Lexikon wird ausschließlich von Spenden finanziert: Die Stifter rufen dafür die Leser der Wikipedia und Unternehmen regelmäßig dazu auf, Geld zu spenden, um davon die Rechensysteme, Server und die Mitarbeiter für technische Aufgaben und das Programmieren zu bezahlen.

Allerdings bestimmt die Stiftung nicht, was in der Wikipedia passiert. Dafür sind unter anderem die Administratoren zuständig, die zum Beispiel die Inhalte der Einträge prüfen oder Nutzer sperren können. Die Administratoren werden von den sogenannten „Wikipedianern“ gewählt. Diese sind es, die die Sachartikel für Wikipedia schreiben. Die Menschen arbeiten ehrenamtlich für das Lexikon, stellen also unbezahlt Wissen für die Leser bereit.

Zehntausende Menschen weltweit schreiben neue und bearbeiten bestehende Einträge und erstellen auch die grafischen Inhalte. Dabei können sie auf Wunsch auch anonym bleiben oder unter Pseudonym arbeiten. Zudem können auch andere Wikipedia-Autoren und Leser der Artikel diese nachträglich verändern, ergänzen oder einen Löschantrag stellen.

International, umfassend und schnell

Bereits kurz nach der Gründung der Wikipedia erschienen die Artikel nicht nur in der englischen, sondern auch in mehreren anderen Sprachen. Beispielsweise ist die deutschsprachige Wikipedia seit dem 16. März 2001 aktiv. Im Januar 2016 existierten bereits 291 Sprachversionen der Wikipedia. Jede Sprachversion hat dabei ihre eigene Community, die über ihre Richtlinien entscheidet.

Dabei gilt aber für alle Wikipedianer, dass die Einträge möglichst viele Wissensgebiete abdecken sollen und sachlich geschrieben sein müssen. Die Autoren verzichten also auf Meinungsbeiträge und zitieren höchstens den Standpunkt von verschiedenen Wissenschaftlern zum Thema. Bei zweifelhaften Inhalten werden zudem unter den Artikeln jeweils Einzelnachweise angegeben.

Besonders beliebt wurde das Lexikon aber nicht nur, weil es sehr umfassend und informativ ist, sondern weil alle Einträge jederzeit digital verfügbar sind und in Sekundenschnelle vom Handy, Laptop und Co. aufgerufen werden können. Außerdem können fast alle Inhalte „frei“ weiter genutzt werden. Die Leser dürfen die Informationen also auch für eigene Beiträge oder Referate verwenden, müssen aber in den meisten Fällen den Urheber oder die Quelle angeben und zum Beispiel Fotos unter den gleichen Lizenzen veröffentlichen.

Von Erfolg gekrönt

Innerhalb der zwanzig Jahre hat sich das digitale Lexikon zum größten Nachschlagewerk im Internet entwickelt. Heute gehört die Wikipedia zu den weltweit am häufigsten besuchten Websites: Die Wikipedia-Server verarbeiten je nach Tageszeit bis etwa 60.000 Zugriffe pro Sekunde. Insgesamt entstanden bisher schon über hundert Millionen Text- oder Bildbeiträge. Allein in deutscher Sprache sind seit März 2001 über zwei Millionen Texte zu finden.

Außerdem gibt es mittlerweile mehrere Schwesterprojekte der Wikipedia wie zum Beispiel die Datenbank „Wikipedia Commons“, die unter anderem Bilder und Videos zur Verfügung stellt, das Wikipedia-Wörterbuch „Wiktionary“ oder die Zitatesammlung „Wikiquote“. Zudem gilt Wikipedia auch als Vorbild für viele weitere Online-Lexika. So beispielsweise für kindergerechte Nachschlagbücher im Internet, wie das „Klexikon“.

Die Wikipedia kooperiert auch mit staatlichen Einrichtungen und erhält von diesen beispielsweise Fotos oder andere Daten. So stellt zum Beispiel das Deutsche Bundesarchiv der Wikimedia Deutschland Bilddateien zur Verfügung.

Kritik am freien Lexikon

Doch trotz des Erfolgs der Wikipedia gibt es seit der Gründung vor 20 Jahren auch immer wieder Kritik an dem digitalen Nachschlagewerk: Die wachsende Bekanntheit machte das Onlinelexikon auch anfällig für tendenziöse, fachlich fragwürdige Beiträge oder Manipulationen, zum Beispiel von politischen Parteien oder Unternehmen, die ihre Arbeit in besseres Licht stellen wollen. Denn der einfache Zugang zum Autorenpool und die leichte Editierbarkeit erschweren gleichzeitig auch die Qualitätskontrolle. Dadurch kommt es auch immer wieder vor, dass vom Copyright geschützte Texte kopiert und ohne Quellennachweis in Wikipedia veröffentlicht werden.

Um diese Mängel einzudämmen und an Glaubwürdigkeit zu gewinnen, wurde 2008 die „Sichtung“ in der deutschsprachigen, später auch in anderen Sprachen eingeführt. Diese Maßnahme regelt, dass veränderte Artikel stets von erfahreneren Autoren geprüft werden. Außerdem werden umstrittene Einträge, die zum Beispiel Informationen aus einseitigen Quellen nutzen oder Persönlichkeiten unsachgemäß beschreiben, von Staaten gesperrt oder von der Wikipedia abgeändert oder gelöscht. Zudem werden Autoren, die erheblich gegen die Regeln der Wikipedia verstoßen, gesperrt.

Dennoch kann es vorkommen, dass unsachgemäße Beiträge nicht auffallen und editiert werden. Leser können so also über die Wikipedia auch an falsche Informationen kommen, ohne es zu wissen. Ein weiterer Kritikpunkt ist bis heute, dass manche Staaten eigenständig bestimmte, ihrem Staat gegenüber kritische Beiträge für ihr Land zensieren. So fand und findet die Zensur von Wikipedia-Artikel in verschiedenen Ländern wie etwa Frankreich, Iran, Pakistan, Russland oder Saudi-Arabien statt. Seit 2015 ist in der Volksrepublik China sogar der gesamte Zugriff auf die Wikipedia gesperrt.

ABO, 15.01.2021
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