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2. März 2007: Milliardenschweres Sanierungsprogramm bei der Bahn

von Michael Lambert, Gütersloh

Eine alte Weisheit besagt: Nur wer etwas wirklich liebt, kritisiert. Demzufolge bekenne ich, die Bahn ist besser als ihr Ruf, doch noch lange nicht so gut, wie sie gerne vorgibt zu sein. Aufgrund guter Bahn-Erfahrungen entschlossen wir uns im Sommer 2006 mit dem Autoreisezug von Neu-Isenburg nach Italien zu verreisen. Bahnreise mit Auto und Übernachtung. Die Werbebotschaften der Bahn waren eindeutig: Ein entspanntes Paar auf einem geräumigen Bett mit einem Glas Wein auf dem Weg in den Traumurlaub.

Weil wir es richtig schön haben wollten, gönnten wir uns ein Schlafwagenabteil für uns alleine mit Frühstück zum Preis einer einwöchigen Pauschalreise in südlichen Gefilden. Für deutlich mehr als 1000 € erhielten wir eine Zeitreise der besonderen Art – ein Angebot, das die Bahn gar nicht gemacht hatte.

Bahnhof Neu-Isenburg – Vorstadtghetto von Frankfurt, eine Gegend, in die man sich nach Sonnenuntergang nicht ohne Begleitschutz oder Bewaffnung begeben sollte. Hier liegt der Verladebahnhof des Autoreisezugs. Abfahrt 18.00 Uhr im Juli, also noch im Hellen. Vor dem Bahnhof eine Schlange von prall gefüllten Urlaubskarossen in der Sonne. Keine Unterstellmöglichkeiten und die einzige Aufenthaltsmöglichkeit, eine Bahnhofsgaststätte, die zum letzten Mal in den 60er Jahren einen Anstrich genossen hat und damals vermutlich schon nicht das hatte, was man heute Charme nennt. Retro pur unter aggressiv neidischen Blicken von multinationalen Jugendgangs.

Dann das Verladen der Autos – gut organisiert unter den lautstarken Kommandos einen ehemaligen Offiziers in Bundesbahnuniform. Schnell, effizient und als Kunde merkt man gleich, Verhandlungen über individuelle Regelungen zwecklos.

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