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18. Januar: Kyrill in Ostwestfalen-Lippe

von Anneliese Schmidt, Bielefeld

Gegen Mittag verließen bereits die ersten Kollegen ihren Arbeitsplatz. Der Ausblick aus meinem Fenster (23 Autos und 4 Zierbäumchen) ließ mich allerdings beruhigt weiterarbeiten. Als ich gegen halb sechs Feierabend machte, wurde auf www.diebahn.de zwar eine Verspätung der Züge angezeigt, aber von eingestelltem Zugverkehr war keine Rede. So machte ich mich zum Bahnhof Gütersloh auf, wo auch gleich mein Zug stand. Ich sprintete hinein, weil ich annahm, er würde gleich losfahren ...

Der Zug war voll wie immer. Ich wunderte mich zwar, dass der Zug nicht losfuhr, doch da alle anderen Fahrgäste gemütlich dösten oder lasen und auch keine Durchsage kam, machte ich mir keine allzu großen Gedanken. Als Pendler nennt man ja eine gewisse stoische Ruhe sein Eigen. Nach etwa 15 Minuten, in denen rein gar nichts geschah, öffnete sich die Zugtür und ein netter Herr um die 50 rief durch das Abteil, ob noch jemand nach Bielefeld müsse. Er habe noch einen Platz im Auto frei. Ich rief – nun doch etwas nervös – „Ja, Ich!“ Mit zwei weiteren aufgelesenen Mitfahrern ging es Richtung Bielefeld. Es dauerte sicher dreimal so lang wie gewöhnlich, denn um Äste, abgebrochene Bäume und heruntergekommene Stromleitungen fährt es sich nicht nur bei Dauerregen bekanntlich schlecht. Im Auto erfuhr ich aus dem Radio, was „Kyrill“ schon alles verwüstet und dass die Bahn den Zugverkehr eingestellt hätte. Diese Info im Zug oder am Gleis zu bekommen wäre sicherlich schön gewesen.

Aber ich hatte Glück im Unglück: Der nette Herr wohnte nur drei Straßen von mir entfernt und brachte mich fast bis zur Haustür. Nur fast, da meine Straße unpassierbar geworden war. Ich rannte durch den Regen nach Hause –  ständig in Angst, dass mich ein Ast oder irgendetwas Herumfliegendes treffen könnte. Wohlbehalten in meiner Wohnung angekommen war ich sehr erleichtert, auf so einen hilfsbereiten Menschen getroffen zu sein.

Am nächsten Tag nahm mich ein Kollege mit zur Arbeit, da die Bahn die Schäden noch nicht beseitigt hatte. Ich schaute aus meinem Bürofenster und staunte nicht schlecht über die Robustheit der vier Zierbäumchen auf dem Parkplatz.

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